„Wenn mich nochmal jemand fragt, was ich im HARZ empfehlen kann, sage ich: Fahr in die Vogesen!” Das war mein Lieblingssatz meiner Freundin, mit der ich gemeinsam wandern in den nördlichen Vogesen war. Wie recht sie doch hat. Die schier endlosen Wälder, die lediglich durch rote Sandsteinfelsen (auf deren Felsvorsprüngen majestätische Burgruinen thronen) durchbrochen werden, die plätschernden Flüsschen, die sich als Wasserfälle über die Klippen stürzen, die Hochweiden mit den duftenden Wiesenblumen und die vielen schnuckeligen Dörfer mit bunten Fachwerkhäuschen – die nördlichen Vogesen sind ein wahrgewordener Traum für Naturliebhaber.

Wissembourg: Das Tor zu den Vogesen

Die kleine Stadt Wissembourg liegt nicht nur unweit des Deutschen Weintors, sondern bildet gleichermaßen das Tor zu den Vogesen. Ein idealer Ausgangspunkt für unser Outdoor-Abenteuer in den Nordvogesen. 

Wir parkten das Auto auf dem kostenlosen Parkplatz am Bahnhof, von wo aus wir die Stadt zu Fuß erkundeten. 

Wir spazierten am Gehweg entlang der Lauter, die in Deutschland entspringt und über die deutsch-französischen Grenze nach Wissembourg fließt. Am Kreisel fanden wir das kleine, für Unwissenden leicht übersehbare, rote Rechteck des Vogesen Hauptwanderweges GR 53, der hier in Wissembourg beginnt.

Quer durch die Vogesen auf dem GR53 

Der aus Recklinghausen stammende Vereinsherr, Richerd Stieve, gründete den Vogesenclub im Jahre 1872. Das Kerngebiet des Fédération du Club Vosgien ist das Mittelgebirge der Vogesen. Hier kümmern sich die heute etwa 34.000 Vereinsmitglieder um die Unterhaltung und Kennzeichnung des knapp 19.000 Kilometer umfassenden Wanderwegenetzes. 

Der Weitwanderweg, der sich von Norden nach Süden durch die Vogesen schlängelt ist der GR53. Er wurde 1897 eröffnet. Hier an dem kleinen roten Schild startet der Wanderweg, der hinter den Stadttoren zunächst durch den regionalen Naturpark Nordvogesen führt. Bei den mittleren Vogesen geht es am DONON GIPFEL vorbei und im südlichen Abschnitt, verläuft er durch den Naturpark Ballons des Vosges bis nach Belfort.

  • Der Vogesen Wanderweg GR53

  • 430 Kilometer

  • 19 Tage

  • Route und Informationen: HIER

Der Weitwanderweg ist in 22 Etappen unterteilt, so dass jederzeit das Wandern auf Teilstrecken möglich ist. An vielen Ausgangspunkten befinden sich Bahn- und Buslinien.

Wegweiser Vogesen
Wandern Vogesen

Die Altstadt von Wissembourg

Auch wir hatten vor, kleine Tagestouren in und um den GR53 herum zu machen, aber zunächst wollten wir uns das hübsche Wissembourg genauer ansehen. Durch den Park am Fluss entlang, gelangten wir entlang der im 13. Jahrhundert errichteten Stadtmauern und durch die alten Tore mitten in die Altstadt hinein. 

Ein Wahrzeichen der Stadt konnten wir schon von Weitem erkennen: die gotische Abteikirche Saints-Pierre-et-Paul. Sie ist mit ihren 1.320 Quadratmetern Grundfläche neben der Kathedrale in Straßburg eine der größten Kirchen im Elsass. Nachdem im siebten Jahrhundert hier ein Kloster gegründet wurde, entwickelte sich die Ansiedlung des heutigen Wissembourg stetig weiter. Vom Kloster ist heute, außer einem unvollendeten hochgotischer Kreuzgang an der Nordseite der Kirche, nicht mehr viel übrig. 

Auf der Avenue de la sous Préfecture gelangten wir zurück an die Lauter. Um einen kleinen Springbrunnen herum standen wunderschöne alte Fachwerkhäuser, von denen eines besonders durch sein außergewöhnliches Dach auffiel: das Salzhaus. Das Haus wurde im Laufe der Jahre für sehr unterschiedliche Zwecke genutzt. Nachdem es zunächst als Krankenhaus diente, wurde es – es klingt makaber – in ein Schlachthaus verwandelt und später als Salzlager genutzt. Heute befinden sich in dem historischen Gebäude Wohnungen und eine Galerie. 

Saints-Pierre-et-Paul Wissembourg
Wissembourg-Park

Im Zickzack gingen wir durch die kleinen Gassen weiter, folgten dem leisen Plätschern der Lauter und erfreuten uns an den mit bunten Blumen bepflanzten Gärten und Brückengeländern.

Die Weinberge von Cleebourg

Als wir wieder ins Auto stiegen, um zu unserer Unterkunft in Cleebourg zu fahren, planten wir einen kleinen Zwischenstopp nahe des Weitwanderweges ein, der uns empfohlen wurde. Nur wenige Kilometer südwestlich von Wissembourg, oberhalb des Ortes Rott, biegt eine kleine Straße namens Haag von der Landstraße D3 ab. Wir parkten den Wagen auf dem Schotterweg und gingen ein paar Meter den Weg hinunter zu einer kleinen roten Hütte. Diese sind in den Vogesen immer wieder zu finden und bieten jede Menge  Informationen über die einzelnen Regionen entlang des GR53. Wir konnten uns jedoch kaum auf die Informationen konzentrieren, da der Ausblick von hier oben über die Weinberge so wahnsinig schön war.

Die Winzergenossenschaft von Cleebourg wurde 1946 gegründet. Ungefähr 170 Winzer gehören ihr an, die in den Städtchen Oberhoffen-les-Wissembourg, Riedseltz, Rott, und Steinseltz ansässig sind. Neben Weinen produzieren die auch Crémant.

Cleebourg-Weinberge

LOGIS HÔTEL KEIMBERG
86 Rue Principale
67160 Cleebourg, France

Preis: DZ ab 99,00 EUR
Öffnungszeiten Restaurant: Donnerstag & Freitag 12:00-14:00 sowie 19:00-21:00, Samstag & Sonntag 12:00-14:00 sowie 18:30-21:00 Uhr

Den bekamen wir auch kurz darauf in unserer Unterkunft kredenzt. Auch wenn du keine Übernachtung in Cleebourg planst, kann ich dir das Restaurant des Hotel Keimberg sehr empfehlen. Im Sommer lädt die große Terrasse für eine Pause ein. Wir saßen an den großen Massivholztischen in der urig-modernen Gaststätte. Neben traditionellen Flammkuchen zaubert der Koch des Hauses feinste Speisen aus frischen regionalen Produkten. Das Essen war hervorragend!

  • Weinlehrpfad Cleebourg

  • 3,9 Kilometer

  • 1 Stunde

  • Route: KOMOOT

Extra-Tipp für Weinliebhaber: In Cleebourg startet eine kleine besondere Wanderung. Während eines einstündigen Spaziergangs entlang des Weinlehrpfades können Informationen über die verschiedenen Weinsorten – Pinot Gris, Muscat, Gewürztraminer – der Region gesammelt werden.

Die magische Vier-Burgen-Wanderung

Uns blieb nicht genug Zeit, auf den Geschichten des Weins zu wandeln, denn unsere Wecker bimmelten am nächsten Tag früh: die Vier-Burgen-Wanderung stand auf dem Plan. Es war ein grauer Morgen, an dem wir die bunten Fachwerkhäuser von Cleebourg hinter uns ließen. Der Nebel waberte durch die Baumwipfel. Es herrschte eine wundervoll mystische Stimmung. 

Burg-Fleckenstein-Aussicht

Wir waren die ersten Gäste, die auf den Parkplatz an der Museumskasse der Burg Fleckenstein fuhren und somit auch die ersten Besucherinnen. Wir hatten die Burg ganz für uns allein. Wie in einem Traum erhob sich das mittelalterliche Felsenschloss auf dem Hügel zwischen den Wolkenschwaden. Das Fundament der Burg bildet ein 90 Meter langer schmaler Felsen aus rotem Buntsandstein. Teilweise ragt er 30 Meter hoch aus dem Boden. Auf diesem Plateau wurde im 16. Jahrhundert die Burg Fleckenstein errichtet. 

Durch die Geheimgänge der Burg Fleckenstein

Über den Burginnenhof, auf dem noch Mauerüberreste der Stallungen stehen, gingen wir zum Felsen hinauf. Eine kleine Treppe führte über den ehemaligen Brunnen hinüber. Von der Burg sind heute noch Teile des Treppenturms und des Brunnenturms sowie Überreste der Ringmauer um die Unterburg und deren Tor erhalten. Die Mauerreste stammen überwiegend aus dem Spätmittelalter, also dem 15./16. Jahrhundert. Alleine die Ringmauer im Nordwesten ist noch aus dem 13. Jahrhundert.

Neben modernisierten Treppenaufgängen zur Spitze der Türme gibt es noch die engen und dunklen, historischen Felstreppen. Durch die zwängten wir uns nach oben. Dadurch, dass wir immer noch die einzigen Besucher:innen auf der Burg waren, hatte es fast etwas unheimliches. Als wir an der Spitze des Turmes angelangten, war es die Aussicht, die unheimlich war – unheimlich beeindruckend und überwältigend.

Burg-Fleckenstein-Aussicht

Die Ruine von Schloss Hohenburg

Nachdem wir vielmehr Zeit als geplant bei der Burg Fleckenstein verbrachte hatten, begannen wir endlich unsere Wanderung. Sie führte uns direkt in den dichten Wald hinein. Aus großen Wegen, wurde kleinere Wege, die direkt am Hang entlang führten und mit dicken Baumwurzeln übersät waren. Zwischen den Baumwipfeln erspähten wir in der Ferne den Krappenfels inmitten der Wolken, die immer dichter wurden. 

Als wir an der Hohenburg ankamen, befanden wir uns auf 551 Metern Höhe. Die Wolken hingen mittlerweile so niedrig, dass der ursprüngliche Wohnturm komplett in ihnen verschwand. Normalerweise eröffnet sich von hier ein weiter Blick über die Pfalz und das Elsass; bei klarem Wetter reicht die Sicht gar bis über die Oberrheinische Tiefebene und Karlsruhe. Das konnten wir uns für heute abschminken. Wir gingen ein Stück die Ruinenmauern entlang und entschlossen uns, direkt weiter zu ziehen.

Weitblick von Schloss Löwenstein

Nur wenige Minuten später erreichten wir Schloss Löwenstein. Hier auf 530 Metern Höhe war die Sicht nur mäßig besser. Dafür befand sich die Abenteuerlust auf einem Peak, als wir die steile Treppe zum einstigen Turm hinauf sahen. 

Die Burg Löwenstein wurde erstmals im Jahre 13. Jahrhundert erwähnt. Schon 1386, wurde sie durch Raubritter zerstört und nie wieder aufgebaut. Burg Löwenstein erhob sich auf zwei eng nebeneinanderliegenden Felsen, die heute noch mit einer wackeligen Brücke in schwindelerregender Höhe miteinander verbunden sind. Sogar in dem ganzen Nebel schlotterten mir beim Überqueren die Beine.

Schloss-Löwenstein

Über die Grenze zur Burgruine Wegelnburg

Die nächste Etappe, zu Burg Nummer 4, hätte uns über die deutsch-französische Grenze zur Wegelnburg geführt. Zu der schlechten Aussicht kam leider hinzu, dass der Wanderweg gerade saniert wurde und deswegen gesperrt war. 

Die Wegelnburg liegt im südlichen Pfälzerwald und ist die höchstgelegene Burgruine der Pfalz. Die Burganlage liegt auf 570 Metern Höhe und stammt ebenfalls aus dem 13. Jahrhundert. Neben ein paar Außenmauern sind noch einige Felsenkammern vorhanden. Vom ehemaligen Turm aus reicht der Blick vom nahegelegenen Dorf Nothweiler weiter über die Pfalz. Bei guter Sicht lässt sich an anderer Stelle sogar der Straßburger Münster erspähen.

Wegelnburg

Der abenteuerliche Felsenpfad

Gute Sicht war uns ohnehin an unserem Wandertag nicht vergönnt, also begaben wir uns auf den Rückweg zur Burg Fleckenstein. An einer Gabelung wurden wir vor die Wahl gestellt: sollten wir den einfachen Wanderweg nehmen oder dem abenteuerlichen Felsenpfad folgen? Die Entscheidung fiel nicht schwer: Wir wanderten auf den Felsen entlang. 

Felsenpfad-Vogesen
Felsenpfad-Vogesen

Mich erinnerte der Weg an die TEUFELSMAUER im Harz, nur dass die Felsen hier rötlich schimmern. Der Pfad führte uns durch den dichten Wald und direkt an den hohen Felsen entlang. Meterhoch türmten sie sich neben uns auf. An einer lichten Stelle ragte ein schmaler Felszahn in die Höhe, der aussah wie ein Haufen aufeinander gelegter Pfannkuchen. Wir kletterten auf einen Felsvorsprung, wo wir uns auf Augenhöhe mit den Baumwipfeln befanden. Direkt unter uns ging es steil die Felswand hinab – eine spektakuläre Szenerie. Der Pfad führte uns weiter auf den Felsen entlang, bis er kurz vor dem Parkplatz an der Burg Fleckenstein hinabführte.

Felsenpfad-Vogesen
Felsenpfad-Vogesen
  • Vier-Burgen-Wanderung

  • 5,8 Kilometer

  • 2 Stunden

  • ↑ 210 Meter ↓ 170 Meter

  • Route: KOMOOT

Die Wanderung kombiniert viele Highlights miteinander: Die Route führt durch dichte Wälder und über abenteuerliche Felsenwege zu Burgruinen, von denen aus sich Panoramen über die Nordvogesen und die Pfalz eröffnen. Entlang der Wanderung befindet sich der Gimbelhof, der sich hervorragend zum Einkehren eignet. Denjenigen, die ohne kleine Kinder unterwegs sind und keine Höhenangst haben, empfehlen wir den Weg über den Felsenpfad. 

Lustwandeln in La Petit Pierre

Nach unserem Felsen-Abenteuer ließen wir es am Nachmittag in La Petit Pierre ruhiger angehen. Alleine der französische Name, im Vergleich zum deutschen Lützelstein, klingt nach einem zauberhaften Örtchen. Nachdem wir in unser HOTEL eingecheckt hatten, spazierten wir durch das kleine verschlafene Dorf. Urige Steinhäuser wechselten sich mit bunt verputzten Fachwerkhäusern entlang der Hauptstraße ab. Vor dem kleinen Tante-Emma-Laden blinkte ein Tabacco Schild, unter dem eine weiß angemalte, mit Schnörkeln verzierte, Sitzgarnitur stand.

Die magischen Gärten

Als wir einen kleinen Durchgang zwischen der Apotheke und dem Rathaus entlang huschten, führte uns eine Treppe zu dem verwunschenen Jardin des Païens. Hinter bunten Blumenbeeten und vor einem herrlichen Ausblick auf die bewaldeten Hügel steht die Maison des Païens. Das 1534 erbaute Haus im Renaissancestil, ist das einzige Bauwerk dieser Art im Elsass. Ein wundervoller Ort, um abzuschalten und sich inspirieren zu lassen.

Ein weiterer Ort des Inspiration befindet sich nahe der Altstadt von La Petit Pierre. Vom Fremdenverkehrsamt aus führt eine schmale Straße durch einen Fels und vorbei an privaten Schrebergärten. Nach etwa fünf Minuten Fußmarsch erreichten wir den Dichtergarten, Le Jardin des Poetes. Wir waren zunächst verunsichert, ob es sich tatsächlich um den richtigen Garten handelte. Als wir durch die Tür im Zaun traten, sahen wir eine der kleinen roten Informationshütten, die wir auch in Cleebourg schon gesehen hatten. 

Vom Rand des Gartens eröffnete sich uns ein traumhafter Ausblick auf die Altstadt von La Petit Pierre. Wir setzten uns kurz ins Häuschen und waren ganz still, denn eine Gruppe Menschen hatte sich in dem Garten auf Bierbänken niedergelassen. Alle lauschten einer Frau, die vor ihnen auf einem Stuhl Platz genommen hatte, um ihre Lieblingsgedichte vorzutragen. Als sie fertig war, kam der nächste Mensch aus der Gruppe an die Reihe.

Die Altstadt von Le Petit Pierre 

Leider war unser Französisch nicht gut genug, um zu verstehen, worum es in den Gedichten ging, sonst wären wir sicherlich noch länger geblieben. So gingen wir zurück zum Fremdenverkehrsamt und bogen in Richtung Altstadt ab. 

Die nachmittägliche Sonne hatte die bunten Häuser mit ihren Fensterläden in warmes Licht getaucht. Nachdem die Gassen um die Hauptstraße von La Petit Pierre schon so wunderbar verwunschen waren, hatte wir gar nicht mit so einem Altstadt-Juwel gerechnet. 

Wir bogen in eine kleine Gasse ab, die uns zur alten Burgmauer führte. An ihr entlang gelangten wir zu der alten Zisterne und schließlich zu der Burg. Sie wurde Ende des 12. Jahrhunderts erbaut. Es gibt die Möglichkeit, einige Räume im Schloss zu besichtigen, aber um ehrlich zu sein, ist die hübsche Rue du Château mit ihren alten Häusern noch viel schöner. Zudem lohnt sich ein kurzer Blick in die Notre Dame de l’Assomption mit ihren wunderschönen Fresken aus dem 15. Jahrhundert.

Als das Sonnenlicht langsam hinter den Dächern der Altstadt verschwand, kehrten wir in unser Hotel zurück, um uns mit einem fantastischen Abendessen verwöhnen zu lassen.

Les Maisons des Rochers in Graufthal

Manchmal gibt es Orte, die ich bei Recherchen im Internet finde, an die ich am liebsten sofort reisen möchte. Bei wenigen sind meine Erwartungen vielleicht zu hoch, bei anderen werden sie übertroffen. So ging es mir bei meinem ersten Besuch der Les Maisons des Rochers. Umso glücklicher war ich, dass ich bei dieser Reise zu den faszinierenden Felswohnungen zurückkehren durfte. 

Les-Maisons-des-Rochers

Im 17. Jahrhundert war das Elsass von vielen Kriegen gekennzeichnet. Auch das nahegelegene Kloster wurde eines Tages zerstört. Einige Familien der Gegend bauten schließlich Häuser aus den Ruinen des Klosters. Weniger wohlhabende Familien verkrochen sich in den halbwegs witterungsgeschützten Felsvorsprüngen in Graufthal. Zuerst wurden die heutigen Felshäuser als Lagerräume oder Dachböden benutzt.

Maisons des Rochers de Graufthal
67320 Eschbourg

Öffnungszeiten: Montag-Samstag 11:00-12:00 Uhr sowie 14:00-18:00 Uhr, Sonntag 10:00-18:30 Uhr
Eintritt: 2,00 EUR

Ab dem Jahre 1760 wurde begonnen, aus den Lagerräumen Wohnungen zu machen. Immer weiter wurden die Behausungen ausgebaut. Als wir durch den Türrahmen der ersten Wohnung treten, habe ich wieder das Gefühl, mitten in einem schönen kleinen Cottage zu stehen. Im ersten Raum steht ein Herd, im zweiten ein Esstisch und ein großes Bett. Hier schliefen seinerzeit die Eltern. Die Kinder schliefen im ersten Stock, neben dem Heu- und Kornlager.

Les-Maisons-des-Rochers-Graufthal

Der Archäologe Robert Forrer begann 1899 mit weiteren Höhlenausgrabungen, was ab Anfang des 19. Jahrhunderts Reisende in die Gegend von Graufthal lockte. Die Klosterruinen, aber auch die Erzählungen von den Felswohnungen, hatten die Neugier Vieler geweckt.

Im Jahre 1931 gab es einen tragischen Unfall: Die Decke eines der Häuser kollabierte. Der 88-jährige Besitzer erlitt einen riesengroßen Schock und starb wenige Wochen später. Alleine die Ottermann Schwestern blieben weiterhin hier wohnen. Madeleine, die ältere der beiden, starb im Jahre 1947 im Alter von 89 Jahren.

Catherine, die wegen ihrer Leidenschaft für ihre Zuhause Felsenkäthe genannt wurde, blieb in ihrer Maison des Rochers wohnen. Sie liebte es, Gäste zu empfangen. Stolz erzählte sie von ihrem Leben im Felsen, wenn sich ein neuer Gast zu ihr an den Tisch setzte. Catherine lebte weitere elf Jahre in der Höhlenwohnung, bis sie schließlich im Jahre 1958 verstarb. Mit ihr starb somit die letzte Bewohnerin der Höhlenhäuser.

In einem der Wohnzimmer schaute ich ein Bild von Felsenkäth an. Ich hätte mich zu gerne auf einen Kaffee mit ihr getroffen und ihren Geschichten vom Leben in den Felshäusern gelauscht.

Stadtschlösser und Burgruinen in Saverne

Die putzigen Felswohnungen tauschten wir im weiteren Verlauf des Tages wieder gegen Schlösser und Burgen ein. In Saverne besuchten wir das Stadtschloss, welches auch als Elsässisches Versaille bezeichnet wird. Das von Louis-René de Rohan als Nachbildung seines abgebrannten Familienschlosses aus Sandstein erbaute Stadtschloss dient heute als Museum und Treffpunkt für die ganze Stadt. 

Saverne-Altstadt

Gerade fand im riesigen Garten, der an einen Kanal grenzt, ein großes Familienfest statt. Teil der Schlossanlage ist der Brunnen mit dem Stadtwappen; einem Einhorn. Der Legende nach wurde das savernische Wasser einst von einem Einhorn geheiligt und verfügt seither über heilende Kräfte. Wir huschten nur kurz an den Ausstellungen vorbei, da wir auf das Dach des Schlosses durften, von wo aus wir einen fantastischen Blick über die Stadt hatten und auch schon unser Wanderziel erspähten.

Schloss Haut-Barr: Das Auge des Elsass

Wir besorgten uns in einem kleinen Bistro in einer der schönen Fachwerkhaus-Gassen Proviant und machten uns auf dem Weg. Etwa fünf Kilometer außerhalb der Stadtmauern thront die Ruine des mächtigen Schlosses Haut-Barr auf dem 470 Meter hohen Burgberg über dem Elsass. Das Schloss wurde um 1170 erbaut und im Dreißigjährigen Krieg schwer beschädigt. Obwohl es im 18. Jahrhundert wieder aufgebaut wurde, verfiel die Burg mit der Zeit zur Ruine. 

Nachdem wir den Berg erklommen hatten, folgte noch ein kurzer steiler Aufstieg auf den Burgfelsen. Das Schloss wurde einst über drei einzelne Felsen hinweg gebaut. Vor uns lag eine alte Steinkirche mit einem ersten Burgfelsen dahinter. Wir bogen links ab und gingen an dem Restaurant vorbei, zu einem weiteren ehemaligen Burgturm, auf den eine Sprossentreppe aus Metall hinaufführte. 

Haut-Barr-Aussicht

Oben angekommen eröffnete sich uns ein weiter Blick über das Elsass. Dieser mittlere Teil der Burg ist auch heute noch mit dem dritten über eine schmale Brücke verbunden. In so schwindelerregender Höhe wundert es nicht, dass sie auch Teufelsbrücke genannt wird. Wir gingen bis ganz ans Ende der Burg und drehten uns im Kreis – auch hier wurde der zweite Spitzname Auge des Elsass ganz deutlich, denn wir hatten wirklich das Gefühl, unendlich weit sehen zu können. 

Vor dieser beeindruckenden Kulisse schwangen wir uns auf die Überreste der dicken Burgmauer und packten unsere Proviantpakete aus; direkt in Sichtweite unseres Ziels für den anschließenden Verdauungsspaziergang. 

Haut-Barr-Teufelsbruecke

Die Burg Geroldseck

Auf dem benachbarten Hügel, ebenfalls auf 470 Meter Höhre, ragt die Burg Groß-Geroldseck aus den Baumwipfeln hervor. Nachdem wir vom Schloss Haut-Barr runter geklettert und den Felsen hinunterspaziert waren, gingen wir durch den dichten Wald in Richtung Geroldseck. Die Burg liegt auf einem steil nach allen Seiten abfallenden Felsplateau. Es hatte einige Tage zuvor stark geregnet, was wir noch deutlich an dem Geröll- und ausgetrockneten Wasserstrom sehen konnten. Eine ältere Dame versuchte gerade mit kleinsten Schritten vorsichtig hinab zu gelangen. 

Burg-Gross-Geroldseck-Bergfried
Burg-Gross-Geroldseck

Direkt am Eingang der Burg steht noch heute der Bergfried, der an einer Seite in voller Höhe erhalten ist. Auf dem ganzen Areal gibt es Mauerüberreste sämtlicher Nebengebäude, auf denen wir herumkletterten. Tatsächlich wurde erst vor einigen Jahren damit begonnen, die Überreste der Burg zu sortieren, weswegen der Süden der Anlage noch weitgehend mit Erde bedeckt ist.

  • Schlösser und Burgruinen in Saverne

  • 8,7 Kilometer

  • 3 Kilometer

  • ↑↓ 240 Meter

  • Route: KOMOOT

Für Saverne solltest du dir am besten einen ganzen Tag Zeit nehmen. Es lohnt sich durch die Stadt zu bummeln und sich auf den Burgmauern etwas Zeit zum Aussicht bestaunen zu nehmen. Solltest du keine Zeit haben, kannst du auch bis zur Burg Haut-Barr hochfahren. Hier gibt es einen Parkplatz. Der Weg zur Burg Geroldseck dauert nur wenige Minuten.

Der sagenhafte Rocher de Dabo

Wir hatten bereits einige Felsen und Felsburgen gesehen, aber der spektakulärste von allen wartete in Dabo auf uns. Wir fuhren auf einer Landstraße, die durch dichten Wald hindurch führte. An einer lichten Stelle, sahen wir weit oben den Turm einer Kirche aufblitzen, als sich die Sonne einen Weg durch die Wolken bahnte. 

Rocher-de-Dabo

Mitten aus dem Vogesenmassiv erhebt sich in 664 Metern Höhe der legendäre Rocher de Dabo. Archäologische Funde beweisen, dass der Fels bereits in der Steinzeit besiedelt wurde. Durch seine exponierte Lage am Gipfel wurde er für die Kelten zur Kultstätte erklärt. Hier feierten sie ihr Brauchtum und ihre heiligen Zeremonien. Im Mittelalter wurde eine Burg auf dem Felsen errichtet, die 1690 auf Befehl Ludwigs XIV. zerstört wurde. Heute steht die Kapelle St. Léon auf dem Felsen.

  • Wanderung zum Rocher de Dabo

  • 3,6 Kilometer

  • 1,5 Stunden

  • ↑ 110 Meter ↓ 90 Meter

  • Route: KOMOOT

Als wir in Dabo ankamen waren die letzten Sonnenstrahlen hinter den Wolken verschwunden und ein nicht endender Platzregen setzte ein. Wir warteten eine zeitlang im Café auf Besserung, aber in Anbetracht der voranschreitenden Zeit verabschiedeten wir uns von dem Plan zur Kapelle hinauf zu wandern und nutzten die kurze Zeit zwischen zwei Schauern, um mit dem Auto hinauf zu fahren.

Burg-Gross-Geroldseck

Wir parkten oben auf dem Berg am Fuße des Felsens. Schon von hier aus war die Aussicht spektakulär. An einem kleinen Kassenhäuschen zahlten wir 2,00 EUR für den Besuch des heiligen Felsens, den wir sofort danach erklommen. 

Oben angekommen stand die Tür zum Kirchturm offen. Wir wollten ganz hoch hinaus und rannten die 62 Turmstufen im Sturm hinauf. Oben angekommen wütete eben der ziemlich heftig. Der Wind riss uns nahezu die Tür aus der Hand, als wir ins Freie traten. Die dicksten Wolken hatten sich mittlerweile verzogen. Dünne, vom Wind verwehte Wolken drückten sich am Fels und dem Kirchturm, direkt vor unseren Augen gen Himmel. Das Wolkenspiel faszinierte mich derart, dass ich ganz und gar nicht enttäuscht war, nicht bis weit über das Lothringer Plateau und die Vogesen bis hin zur Rheinebene gucken zu können. Wie die Wolken durch die unter uns liegenden Wälder waberte war mal so schön. 

Rocher-de-Dabo-Aussicht-Kirchturm

Auf den Pfaden der Kunst in Wangenbourg-Engenthal

Durch die verwunschenen Wälder führte unser Weg nach Wangenbourg-Engenthal. Die Gemeinde umfasst sieben Dörfer, die über Täler und kleine Hochebenen verstreut, am Osthang des größten Waldes der Vogesen, liegen. Die Höhe der Berge variiert zwischen 400 und 961 Metern. Die höchste Erhebung ist der Schneeberg, der direkt vor uns lag, als wir auf den Parkplatz der Touristeninformation fuhren. Es fühlte sich an, als parkten wir den Wagen vor einem perfekten Postkartenmotiv. Es wundert nicht, dass die Region Elsässische Schweiz genannt wird.

  • Kunst, Kultur und Panoramawege in Wangenbourg-Engenthal

  • 7,9 Kilometer

  • 2,5 Kilometer

  • ↑ 200 Meter ↓190 Meter

  • Route: KOMOOT

Zudem ist Wangenbourg-Engenthal einer der ältesten Kurorte im Elsass. Das Mikro-Bergklima sorgt, geschützt vor Westwinden, für immerwährend saubere Luft. Perfekte Voraussetzungen für unsere Wanderung.Die Wanderung verbindet mit der Ruine Wangenburg, moderne Kunst im Freien und atemberaubenden Panoramen über das Tal sowie eine kulinarischen Pause im traditionellen A Vieux Hetre sämtliche Highlights von Wangenbourg-Engenthal.

Wangenbourg-Egenthal-Schneeberg

Die Wangenburg-Ruine

Die erste Attraktion lag nur wenige Gehminuten vom Parkplatz entfernt: die Ruine Wangenburg. Wir schritten über die hölzerne Burgbrücke, die über einen Graben führte, in dem einst das Vieh gehalten wurde, durch die dicken Burgmauern aus Sandstein in den ehemaligen Burghof hinein. Auf einigen Mauersteinen sahen wir noch die eingeritzten Initialen der einstigen Burgbauer. 

Die Burg wurde 1357 zum ersten Mal erwähnt und ging im Laufe der Zeit immer wieder in neue Besitztümer über, bis sie schließlich von französischen Truppen eingenommen wurde. Um 1700 herum verließen diese die Burg und sprengten dabei auf Befehl Ludwigs XIV. den Nordturm und die Kurtine. Trotzdem konnten wir anhand der Überreste und Erklärungen einige Gemäuer nachvollziehen. Besonders putzig war ein Raum neben der ehemaligen Küche, in den der Kochdampf und die Küchenwärme geleitet wurde, so dass der einstige Burgherr hier seinen Saunagang genießen konnte. 

Wangenbourg-Ruine-Bergfried
Wangenburg-Ruine-Bergfried-Aussicht

Natürlich konnten wir die Wangenburg nicht verlassen, ohne den 24 Meter hohen Bergfried zu erklimmen. Der Ausblick von oben auf den Schneeberg und die Elsässische Schweiz war jede knarrende Holzstufe wert.

Kunst am Wasser und im Wald

Hinter der Wangenburg führt ein schmaler, von Baumwurzeln überwachsener Pfad den Hügel in den Wald hinab. Unten erwartete uns neben dem Plätschern des Bachs auch das erste Kunstwerk unserer Wanderung. 

Das vom Künstler Denis Monfleur geschaffene Werk Le Géant de von Ameisebach ist Teil eines siebenteiligen Symposiums. Auf einer Länge von 6,5 Kilometern können Wandernde Kunstwerke in der Natur bewundern. Alle Werke wurden eigens für den jeweiligen Ort gestaltet und symbolisieren das Zusammenspiel von Kunst und Natur. 

Wangenbourg-Engenthal-Symposium

Wir kombinierten die Symposium-Tour noch für weitere Kunstwerke mit unserer Wanderung, bevor wir den Wald für eine Mittagspause im A Vieux Hetre verließen. Wir kamen genau zur richtigen Zeit in das von Familie Guittré betriebene traditionelle Gasthaus. In dem Auberge wimmelte es von einheimischen Familie, die sich zum Sonntagsmahl trafen. Serviert wurde Hausmannskost von Wurstsalat bis Kartoffelknödel – alles absolut authentisch. 

Der Weg zurück zum Startpunkt unserer Wanderung führte uns entlang des Panoramasweges am Rande der Stadt, von wo aus wir nochmal einige traumhafte Ausblicke auf das Tal hatten.

Wangenbourg-Engenthal-Panoramaweg

Der Wasserfall und das Schloss Nideck

Die Ausblicke auf Wangenbourg-Engenthal waren ein kleines Appetithäppchen für die Aussichten, die uns Nideck am Nachmittag bescherte. An der Landstraße zwischen Wangenbourg und Oberhaslach liegt ein kleiner Waldparkplatz von dem aus die Wanderung zum Schloss und Wasserfall Nideck startet. 

Der kleine schattige Pfad führte uns in den dichten Mischwald hinein. Die hoch stehende Sonne glitzerte durch die Bätter. Schon bald fiel das Gelände zu unserer Rechten ab und in einer Kurve erwartete uns ein grandioser Ausblick auf einen bewaldeten Canyon. Die schroffen Felsen thronten majestätisch inmitten des dichten Waldes. 

Nideck-Wanderung-Aussicht

Eine Brücke über der Schlucht führte zur Burg Nideck, welche erstmals 1264 erwähnt wurde. Weit unter ihr plätscherte leise der Nideck Wasserfall. Die Ruine liegt auf rund 550 Metern Höhe am Hang des Bärenberges und besteht aus Ober- und Unterburg. Die Unterburg wurde erst ein paar Jahre später hinzugbaut. Ihr 20 Meter hoher Bergfried steht auch heute noch.

Berühmt wurde die Burg durch die Sage Nideck der Gebrüder Grimm, welche 1816 erschien. Die Geschichte erzählt von einem Riesenpaar und ihrer kleinen Tochter, die gemeinsam die Burg bewohnten. Das kleine Mädchen kehrte eines Tages mit lebendigem Spielzeug aus dem Tal zurück. Der Riesenvater erklärte ihr mit erhobenem Zeigefinger, dass es sich nicht um Spielfiguren, sondern Bauern handelte, die nicht von den Feldern mitgenommen werden dürften, weil sie diese bestellten, um die Riesen zu ernähren. 

Für das Riesenmädchen wäre der Abstieg, der uns hinter der Brücke bevorstand sicherlich ein Klacks gewesen. In weiser Voraussicht und, weil wir schon einige Burgen besichtigt hatten, ließen wir den Aufstieg zur Burg Nideck aus und folgtem dem Wanderpfad links vor der Brücke. Er führte immer steiler den Berg hinab. Auf den Pfad folgten Treppen und schließlich mit Holzbohlen befestigte Serptentinenkieselwege. 

Das Abenteuer war es wert: Unten angekommen, stürzt sich der Wasserfall zunächst über einen etwa 25 Meter hohen Abgrund und weiter über Kaskaden mit moosbewachsenen Felsen, bis das Wasser schließlich der Hasel zufließt. Ein herrlicher Ort zum Kräfte sammeln, um im Anschluss die hinunter gekraxelten Serpentinen und Stufen wieder zum Parkplatz hinauf zu steigen.

Wasserfall-Nideck

  • Wanderung zur Burg und zum Wasserfall Nideck

  • 3,2 Kilometer

  • 2 Stunden

  • ↑↓ 110 Meter

  • Route: KOMOOT

Eine absolute Highlight-Wanderung, die Ausblicke auf beeindruckende Felsen bietet. Je nachdem, wie viele Burgen du bereits besichtigt hast, zeig ruhig Mut zur Lücke!

Die Wanderung zum Wasserfall lohnt sich absolut und es ist nicht schlimm, wenn du die Burg Nideck (wie wir) außen vor lässt.

Der Aufstieg zum mystischen Donon-Gipfel

Von ganz tief unten am Wasserfall führte unsere nächste Wanderung nach ganz weit oben. Ursprünglich wollten wir den Donon noch am gleichen Tag zum Sonnenuntergang erklimmen, waren jedoch so erledigt, dass wir uns das für den Sonnenaufgang am nächsten Tag aufsparten. 

Der Donon ist mit einer Höhe von 1009 Metern einer der zwei höchsten Punkte (der Rocher de Mutzig hat die gleiche Höhe) der Nordvogesen und markiert die Grenze zwischen dem Elsass und Lothringen. Was er sich nicht teilen muss, ist seine sagenumwobene Geschichte. 

Durch seine exponierte Lage ist der Donon von Weitem sichtbar und gilt daher schon seit prähistorischen Zeiten als heilig. Scherben, Steinäxte, Feuersteine und Werkzeuge aus der Bronzeszeit sind Beweise für die Besiedlung des Berges seit über 5.000 Jahren. Unzählige Legenden und Mythen kreisen um den Berg. Er war eine keltische Kultstätte und die Römer weihten ihn Merkur. Unter Napoleon III. wurde schließlich auf dem Gipfel die Nachahmung eines antiken Tempels errichtet. Genau dort wollten wir den Sonnenaufgang genießen. 

Wanderung-Donon-Vogesen

Als wir aus dem Fenster blickten dämmerte nicht die Sonne, sondern uns, dass wir keinen Sonnenaufgang auf dem Gipfel sehen würden. Trotzdem zogen wir uns die Wanderschuhe an und machten uns auf den Weg. Wieder waberten die Wolken- und Nebelschwaden durch den dichten Wald. Es ist schon komisch, dass es zu späterer Stunde unheimlich beruhigend wird und so früh morgens eher nur unheimlich. Immer wieder beschlich uns das Gefühl, dass doch noch gruselige Nachtwesen hinter dem grauen Vorhang lauerten. Doch das einzige, was plötzlich im Nebel erschien, war ein wuchtiger Felsen. Dabei handelte es sich um einen keltischen Druidenstein

Das letzte Stück zum Gipfel erkletterten wir über Treppenstufen, die Escalier de l’Empéreur. Sie wurden von deutschen Soldaten im Ersten Weltkrieg zu Ehren Kaiser Wilhelms II. am Berghang befestigt. Auf die Stufen folgt ein steiler gepflasterte Weg, der Chemin des Sarrasins. An seiner Seite befinden sich Reste des Ringwalls einer keltischen Siedlung. Das alles war erst der Anfang von Relikten verschiedener Epochen. 

Donon-Tempel-Vogesen

Das Highlight sämtlicher historischer Überbleibsel ist ein 12-säuliger Tempel im neoklassischen Stil von 1869 an der Stelle des ehemaligen kelto-römischen Merkur-Tempels. Hier sollten ursprünglich die historischen Funde vom Donon-Gipfel gesammelt werden. Letztlich wurden sie aber in ein Museum in Straßburg gebracht. Neben dem Tempel ist die Aussicht hier normalerweise ein Highlight

  • Wanderung zum Temple du Donon

  • 4,8 Kilometer

  • 2 Stunden

  • ↑ 240 Meter ↓ 220 Meter

  • Route: KOMOOT

Es gibt viele verschiedene Ausgangspunkte von denen du zum Gipfel des Donon starten kannst. Das Hôtel le Velleda eignet sich insofern, da es einen großen Parkplatz gibt und du auch für eine Toilettenpause einkehren kannst.

Wenn du mehr Glück mit dem Wetter hast als wir, wird dein Blick weit über die Vogesen hinaus, bis in den Schwarzwald, die Rheinebene und die Lothringische Hochebene reichen. 

Bergwiesen und Farm-to-Table am Col de la Perheux

Unsere bisherigen Wanderungen führten uns durch Wälder, in historische Burgen, auf rote Felsen und unter Wasserfälle. Wir waren beeindruckt von der Vielfältigkeit der Nordvogesen. Angekommen in Schirmeck, dem Startpunkt für unsere letzte Wanderung wurde schnell klar: das war noch nicht alles.

Col-de-la-Perheux

  • Rund um den Col de la Perheux

  • 12,4 Kilometer

  • 4 Stunden

  • ↑ 360 Meter ↓ 350 Meter

  • Route: KOMOOT

Die La Perheux ist eine weitläufige Hochweide, um die sich gruselige Geschichten ranken. Hier fanden im Mittelalter Hexenprozesse statt und die zum Tode Verurteilten brannten auf dem Scheiterhaufen. Von den Gräueltaten der Vergangenheit gibt es heute keine Spur mehr – auf der La Perheux ist Frieden eingekehrt.

Die Wanderung führte uns durch nicht endende Idylle. Feldwege lotsten uns aus dem Wald hinaus auf Hochweiden, auf denen bunte Wiesenblumen blühten. Vogesenrinder hoben bedächtig ihren Kopf und starrten uns hinterher, während sie gemächlich weiter an dem satten Gras kauten. Wir genossen die Weitsicht über die Wiesen und das Tal.

Wanderpause auf dem Ferme de la Perheux

Auf 680 Metern Höhe erreichten wir den Bauernhof Ferme de la Perheux. Es war gerade Mittagszeit und die Bäuerin öffnete gerade das kleine Gasthaus. Sie hieß uns herzlich willkommen und bat uns zu Tisch. 

Ferme-de-la-Perheux

Gemeinsam mit ihrem Bruder hatte sie vor nicht allzu langer Zeit die Farm übernommen. Ihr Ziel ist es, die nachhaltige Landwirtschaft voranztreiben. Sie möchten sich gänzlich von der Massenproduktion absetzen und ihren Gästen zeigen, wie Qualität und Slow Food schmeckt. In dem Gasthaus werden saisonale Gerichte mit ausschließlich regionalen Zutaten serviert. Fleisch und Wurst stammen vom eigenen Hof, der sich auf die Zucht von Vogesenrindern spezialisiert hat.

Ferm-de-la-Perheux
Ferme-de-la-Perheux-Pulled-Beef

Wir bekamen zunächst einen Vorspeisenteller mit Wurst und Käse zu selbstgebackenem Brot. Danach gab es eine Pilzsuppe mit Haferflocken und als Hauptspeise Kartoffel- und Rettichpürree mit Pulled Pork. Als vegetarische Variante gab es den Stampf mit grünem Spargel und Pilzen. Das Essen war hervorragend – das beste, das wir auf der Reise gegessen haben. Schmatzend lächelten wir uns an und freuten uns über dieses unverhoffte Highlight, welches uns auf der Zielgeraden unserer Wanderreise durch die Vogesen beschert wurde.

FAQ für deine Reise in die Nordvogesen

Anreisen & Rumreisen 

Wie komme ich am besten in die Vogesen? 
Wissembourg, unser Ausgangspunkt für die Reise, liegt mit dem Auto nur eine gute Stunde von Mannheim entfernt. Das nahezu benachbarte Karlsruhe ist sogar nur eine Dreiviertelstunde entfernt. 

Die nächstgelegenen Flughäfen sind Saarbrücken, Straßburg und Stuttgart. Die größten Bahnhöfe für einen Start in die Vogesen sind Saarbrücken, Straßburg, Mannheim oder Karlsruhe und Stuttgart. Wir sind bis Mannheim mit dem Zug gefahren und haben uns zur Weiterfahrt ein Auto gemietet

La-Petit-Pierre-Hotel

Ich buche meinen Mietwagen (und das ist keine Werbung, sondern Überzeugung) immer über BILLIGER-MIETWAGEN.DE. Hier finde ich immer die besten und günstigsten Angebote und der Service war ebenso bisher immer einwandfrei. Die Benzinpreise sind in Frankreich meist ein paar wenige Cent pro Liter günstiger als in Deutschland. Falls du einen Mietwagen in Deutschland anmietest, achte unbedingt darauf, dass es in Ordnung ist, mit dem Auto über die Grenze nach Frankreich zu fahren.

Kann ich die Vogesen auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln erkunden? 
Tatsächlich ist es gar nicht schwer, die Vogesen auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erkunden. Nach Wissembourg und Schirmeck fahren Züge von Straßbourg aus und nach Wangenthal-Engenbourg gibt es eine Busverbindung. Falls du (wie ich) kein französisch sprichst, ist es das einfachste, auf ROME2RIO nach der geeigneten Verbindung zu suchen. Von dort wirst du auf die entsprechenden Buchungsseiten weitergeleitet.

Food & Drinks

Patisserie Rebert Daniel
7 Pl. du Marché aux Choux
67160 Wissembourg, France

Öffnungszeiten: Dienstag-Freitag 7:30-18:30 Uhr, Samstag 7:00-18:00 Uhr, Sonntag 8:00-18:00 Uhr, Montag geschlossen

Und wenn die Fenster nicht geputzt worden sind, so ist mein Nasenabdruck immer noch am Fenster. Gut, das dürfte recht unwahrscheinlich sein. Ganz sicher ist aber, dass du die hier eine süße Pause gönnen solltest. Die Auswahl an köstlichsten Petit Fours und Törtchen ist gigantisch. 

LOGIS HÔTEL KEIMBERG
86 Rue Principale
67160 Cleebourg, France

Öffnungszeiten Restaurant: Donnerstag & Freitag 12:00-14:00 sowie 19:00-21:00, Samstag & Sonntag 12:00-14:00 sowie 18:30-21:00 Uhr

Auch wenn du keine Übernachtung in Cleebourg planst, kann ich dir das Restaurant des Hotel Keimberg sehr empfehlen. Im Sommer lädt die große Terrasse für eine Pause ein. Wir saßen an den großen Massivholztischen in der urig-modernen Gaststätte. Neben traditionellen Flammkuchen zaubert der Koch des Hauses feinste Speisen aus frischen regionalen Produkten. Das Essen war hervorragend!

Hotel-Keimberg-Cleebourg

Hotelrestaurant vom Le Lion
15 Rue Principale
67290 La Petite-Pierre

Öffnungszeiten: Dienstag-Sonntag 12:00-13:30 Uhr sowie 19:00-20:30 Uhr, Montag geschlossen

Auch wenn die Einrichtung und vor allem Dekoration des Le Lion ein Wirrwarr an vielen Stilen ist, die Aussicht vom Restaurant ist wunderschön. Der perfekte Ort für ein entspanntes Dinner mit À la Carte-Gerichten oder auch einem Dinner-Menü, das ich absolut empfehlen kann. Der Abend beginnt mit einem Gruß aus der Küche und die Speisen können vegetarisch angepasst werden.

Crock & Mâche
98 Grand Rue
67700 Saverne

Öffnungszeiten: Dienstag-Freitag 11:00-18:00 Uhr, Samstag & Sonntag 11:00-17:00 Uhr, Montag geschlossen

Wir holten uns in dem hippen Bistro unser Lunchpaket für die Wanderung. Es gibt Bowls, Salate, Wraps und Sandwiches, die alle frisch zubereitet werden. Es gibt auch eine große Auswahl an vegetarischen und veganen Speisen, was in Frankreich nicht allerorts üblich ist.

Ferme de la Perheux
97 Chem. du Saicy
67130 Wildersbach

Öffnungszeiten: Mittwoch-Sonntag 11:30-13:00 Uhr

Die Farm, die auf 680 Metern Höhe am Col de la Perheux liegt, war mein (kulinarisches) Highlight auf unserer Reise in die Nordvogesen. Die Lage des Bauernhofs mit Panoramablick auf das Tal ist schon spektakulär. Zu dem Hof gehört ein kleines Gasthaus, indem saisonale Gerichte mit ausschließlich regionalen Zutaten serviert werden. Fleisch und Wurst stammen vom eigenen Hof, der sich auf die Zucht von Vogesenrindern spezialisiert hat.

Sarl Danober
15 Pl. de l’Église
57850 Dabo

Öffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch sowie Freitag & Samstag 8:15-20:00 Uhr, Donnerstag 8:15-14:00 Uhr, Sonntag 9:30-20:00 Uhr, Montag geschlossen

Als wir in Dabo ankamen, regnete es Bindfäden. Es war nicht daran zu denken, zum Rocher de Dabo zu wandern. Also nutzten wir unsere Zeit und saßen unter der Markise, auf die der Regen prasselte, im Café und tranken heiße Schokolade. Das Café ist ohnehin perfekt zum Einkehren vor oder nach deiner Wanderung.

Auberge du Zollstock
11 Rte du Zollstock
57850 Dabo

Öffnungszeiten: Freitag-Sonntag & Dienstag 12:00-15:00 Uhr sowie 18:30-22:00 Uhr, Mittwoch & Donnerstag 12:00-15:00 Uhr, Montag geschlossen

Lange Tafeln an denen Großfamilien lachend zusammen sitzen, Kinder, die zwischen den Tischen herumtollen – der Zollstock ist der Ort an dem sich die Einheimischen treffen. Die Atmosphäre ist herrlich entspannt. Die Beilagen werden in großen Schüsseln auf dem Tisch verteilt – und die Preise: absolut familientauglich. Ein Ort zum Wohlfühlen.

Au Vieux Hetre
7 Rte du Nideck
67710 Wangenbourg-Engenthal

Eine weitere sehr authentische und traditionelle Gaststätte ist Au Vieux Hetre. Die Betreiber kommen an den Tisch und bringen den Leuten neben guter Hausmannskost ein wenig Zeit mit, so dass der aktuellste Dorfschnack ausgetauscht werden kann.

Col-de-la-Perheux

Wanderausrüstung 

Muss ich beim Wandern in den Vogesen besonders ausgestattet sein?
Um ehrlich zu sein, hätte ich nicht erwartet, dass die nördlichen Vogesen so vielseitig sind. Von engen Felspfaden über schmale Kammwege sowie steile Berghänge haben wir alles erlebt. Du solltest entsprechend trittsicher unterwegs sein und festes Schuhwerk dabeihaben. Je nach Vorliebe, nimm’ deine knöchelhohen Wanderschuhe mit. 

Gerade beim steilen Auf- oder Abstieg sind Wanderstöcke hilfreich. Da das Wetter in den Bergen schnell umschwenken oder auch wenige Kilometer weiter ganz anders sein kann, empfiehlt sich wetterfeste Kleidung dabei zu haben. 

Einige Male stellen wir fest, dass wir gar keinen Handyempfang hatten. Es hilft sehr, sich die Wandertouren vor dem Losgehen in der App deiner Wahl offline verfügbar zu machen.

Unterkünfte

Welche Unterkunft kannst du in den nördlichen Vogesen empfehlen?

LOGIS HÔTEL KEIMBERG
86 Rue Principale
67160 Cleebourg, France

Preis: DZ ab 99,00 EUR
Öffnungszeiten Restaurant: Donnerstag & Freitag 12:00-14:00 sowie 19:00-21:00, Samstag & Sonntag 12:00-14:00 sowie 18:30-21:00 Uhr

Unser liebstes Hotel in den Nordvogesen was das Keimberg in Cleebourg. Schon als wir beim Check In durch das Restaurant mit den langen Tischen aus Massivholz gingen, fühlten wir uns direkt wohl. Die Zimmer und das Bad sind modern eingerichtet. Es gibt einen Außenpool und das Restaurant verfügt über eine große Terrasse. Das Essen, sowohl im Restaurant als auch das Frühstück, ist hervorragend.

Wo habt ihr sonst noch in den Nordvogesen übernachten?

SPA HÔTEL AU LION D’OR
15 Rue Principale
67290 La Petite-Pierre

DZ: ab 90,00 EUR

Wie häufiger in der Region, ist auch dieses Hotel absolut in Ordnung, jedoch etwas in die Jahre gekommen. Unser Hotel war an einer Seite komplett vertäfelt. Die Gänge des Hotels sind mit wild gemusterten Teppichen und alten willkürlich zusammengestellten Möbeln dekoriert. Es lässt sich aber auch außerhalb des Zimmer hervorragend am Pool (drinnen wie draußen) und im Whirlpool entspannen.

LES RELAIS D’ISIRA
8a Rothenbuhl
57850 Dabo

Hütte: ab 90,00 EUR

Das Gelände auf dem die kleinen Hütten am Hang stehen ist wunderschön, inklusive Sicht auf den sagenhaften Rocher de Dabo. Die Gastgeber sind sehr herzlich und bereiten ein tolles Frühstück zu. Es gibt einen Pool und einen Fitnessraum, der von allen Besucher:innen genutzt werden kann. Die Hütten sind mit Klimaanlage ausgestattet und haben ein eigenes Bad. Bei der Dekoration wurde ein wenig übertrieben und vieles durcheinander gewürfelt. Unsere Hütte war voller kleiner Püppchen, hatte eine Muschellampe und leider extrem alte durchgelegene Betten. Trotzdem haben wir unsere Zeit hier sehr genossen.

LES-RELAIS-D-ISIRA

Logis Hôtel le Velleda
4, Col du Donon
67130 Col du Donon

DZ: ab 108,00 EUR

Um die Toilette zu benutzen oder eine Pause zu machen ist das Hotel und das Restaurant auf dem Weg zum Donon Gipfel in Ordnung, aber um ehrlich zu sein: wir fanden es grausam. Unglaublich unfreundlicher Service (unsere Kellnerin kam mit Telefonhörer zwischen Kopf und Schulter geklemmt an unseren Tisch und warf uns das Essen fast in den Schoß), im Bad schien eine Duschkabine rausgerissen worden zu sein, die Fugenkleberreste klebten noch an der Wand. So etwas habe ich wirklich noch nie erlebt! In Sachen Übernachtung also eine klare Warnung, statt Empfehlung.

Weitere Informationen für deine Reise ins Vogesenmassiv

  • Informationen rund um das Vogesenmassiv findest du auf der Webseite MASSIF DES VOSGES. Kleiner Tipp: lass die Seite bei Bedarf automatisch übersetzen, da die englische Version nichts so umfangreich ist wie die französische. 
  • Ausführliche Information über weitere Sehenswürdigkeiten und Attraktionen in der Gegend gibt es auf der offiziellen WEBSEITE des Elsass sowie der Unterseite DAS GRÜNE ELSASS.
  • Auch die einzelnen Seiten von SAVERNE der Stadt, MOSSIG VIGNOBLE und VALÉE DE LA BRUCHE liefern umfangreiche Tipps für weitere Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten.
  • Landmeedchen-Geschichten aus dem Elsass und der angrenzenden Franche-Comté findest du HIER.

Offenlegung: Diese Reise entstand in Zusammenarbeit mit der Atout France. Die beschriebenen Eindrücke sind meine eigenen und wurden davon nicht beeinflusst. 

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