„Typisch Fischkopp“, würden wohl viele zu mir sagen, wenn sie hören, dass ich noch nie wirklich in Bayern unterwegs war. Doch das ändert sich jetzt: es geht zum Radfahren und Wandern ins Chiemsee-Alpenland. „Typisch Fischkopp”, würden die Leute nun wieder sagen, weil ich mir ausgerechnet die Gegend am Bayerischen Meer ausgesucht habe. Pustekuchen! Den Chiemsee lasse ich nämlich links liegen. Korrekterweise eher rechts, denn ich erkunde das südwestliche Umland vom Chiemsee, um hier durch die grünen Täler im Alpenvorland zu radeln und in den Bergen wandern zu gehen. 

Das Chiemsee-Alpenland hat nämlich weit mehr als den See zu bieten. Zu der Region gehören die Chiemgauer, Inntaler und Mangfalltaler Alpen, die insgesamt 50 Berggipfel (Mit 60 Wirtsalmen – eine wichtige Info für eine Schnapsdrossel wie mich!) zu bieten haben. Erkunden können Wanderer diese auf 70 Bergtouren, die alle herrliche Fernsichten auf das sanft auslaufende Hügelland oder die schroffen Hochgebirgszüge der österreichischen Alpen bieten. Viele weitere Routen führen ebenerdig und meist mit Lehrpfaden verbunden im Voralpenland durch Moore, Wälder, über Wiesen und an Flüssen entlang. 

Grüne Täler und Gipfelglück im Chiemsee-Alpenland Pinterest

Basislager: Bad Aibling

Das Wellness-Paradies 

Als Basislager für unsere Abenteuer in der Chiemsee-Alpenland Region dient der Kurort Bad Aibling. Der königlich bayerische Gerichtsarzt Desiderius Beck entdeckte hier als erster die Verwendbarkeit des oberbayerischen Moores für die medizinische Behandlung und macht es damit zum ältesten Moorheilbad Deutschlands. Das Schwarze Gold hilft nicht nur bei Rheuma, Arthrose, Ischias und Gicht, sondern auch bei Durchblutungsstörungen, Bandscheibenschäden oder Osteoporose.

Wer kein Moorbad nehmen möchte, dem sei die vielfach prämierte Therme Bad Aibling empfohlen. Seit 2008 sprudelt das schwefel-, fluorid- und jodidhaltige Heilwasser mit 39 Grad in Bad Aibling aus fast 2.300 Metern Tiefe auf der Erde.

Nach einem langen Wandertag, bin ich einfach direkt aus den Wanderbotten in meine Badelatschen gehüpft. In der Therme gibt es unterschiedliche Bäder, Saunen und Entspannungsräume. Nachdem ich ein paar Runden im Kneipp-Becken gedreht habe, ging es auf Erlebnisreise durch die Kuppeln. Sie alle sind unterschiedlich designt, mit Massage-Drüsen oder ohne, und werden mit einer sanften Lichtshow und Musikklängen bespielt. Neben den großzügigen Nasszellen gibt es Entspannungskuppeln, die in dunklen Farben gehalten sind und in denen große Liegen zum Wegdösen einladen. Unter einer gold schimmernden Kuppel befindet sich ein Hammam, direkt neben einer großzügigen Sauna. Wer also auf eine Wanderung verzichten möchte, kann hier auch einen ganzen Tag verbringen. 

Wohlfühlen im Romantik-Hotel Lindner

Unsere Unterkunft für die Reise ist das ROMANTIK-HOTEL LINDNER. Die Grundmauern stammen aus dem Jahr 600, so dass gerade der Rittersaal im zur Straße gewandten Haus sicher einige Geschichten von Feldschlachten und Raubzügen zu erzählen weiß. 

Seit sieben Generationen ist das Hotel in Besitz der Familie Lindner. Im Jahre 2018 haben sie das Zepter an den Hamburger Jost Deitmar als erstes Nicht-Familienmitglied überreicht. Er lädt uns zu einem Aperitif im Weinkeller ein. Das Gewölbe steht in Sachen Geschichte dem Rittersaal in nichts nach, ist aber weniger antik, sondern viel mehr stilvoll und modern eingerichtet.

Romantik-Hotel Lindner Bad Aibling

Das Zentrum bildet eine große hölzerne Tafel an der braune Lederstühle stehen, die auch fantastisch in ein Industrieloft passen würden. In die Backsteinwände sind gemütliche Sitznischen gebaut.

Im Anschluss gehen wir in die Lindner Stub’n, wo wir am Morgen schon ein köstliches Frühstück bekommen haben. Die Dinnerkarte verspricht bayerische und alpenländische Köstlichkeiten. Sie verspricht nicht zu viel: meine Reher’l mit Rinderfilet sind ein Gedicht. 

„Wasser marsch!“ im Jenbachparadies

Die Sonnenstrahlen kitzeln mich aus dem Bett. Als ich am Fenster stehe merke ich, dass selbst der frühe Morgen schon recht warm ist. Im Laufe der Stunden klettert das Thermometer auf weit über 30 Grad. Ich entschließe mich daher für eine Radtour ins Jenbachparadies

Fast kommt es nicht dazu, denn am Ortsrand von Bad Aibling halte ich an einer Badestellen in der Mangfall. Hier ist ordentlich Trubel. Neben Kanufahrern, die sich hier in den Stromschnellen ausprobieren, aalen sich Wassernixen in den Gumpen. Gumpen sind eine Art natürliche Badebecken, die von Sturzbächen in den felsigen Untergrund eines Bachbetts erodiert werden. Ich halte meine Füße kurz in Wasser und muss mich bei dem perfekten Sommerwetter wirklich zusammenreißen, um nicht auf die Radtour zu pfeifen. 

Mangfall Ufer Bad Aibling

Von Bad Aibling radle ich zunächst nach Bad Feilnbach. Das alleine ist schon eine schweißtreibende Angelegenheit, den sowohl Komoot als auch Google schicken mich eine Art Autostraße entlang, was eigentlich nicht sein kann. Ich hätte doch lieber direkt die Chiemsee-Alpenland APP runterladen sollen. Dort sind sämtliche Rad- und Wandermöglichkeiten genau beschrieben. 

In Bad Feilnbach stoße ich endlich an den kleinen Fluss. Der Jenbach ist ein Wildbach aus dem Wendelsteingebirge. Er fließt über die Jenbachwasserfälle nach Bad Feilnbach. Es gibt ein Vielzahl Lehrpfade, auf denen an Informations-Stationen sehr unterhaltsame Geschichten über die Tier- und Pflanzenwelt des Jenbachparadies erzählt werden. 

Jenbachparadies Chiemsee Alpenland
Jenbachparadies Chiemsee Alpenland

Nach ein paar Kilometern gelange ich an einen Campingplatz. Immer wieder begegnen mir mit Latschen und Badetüchern bewaffnete Menschen. Sie haben so recht: An Tagen wie diesen sollte hier niemand ohne Badekleidung rumlaufen. Die Atmosphäre ist herrlich entspannt – überall entlang der Bäche gibt es Möglichkeiten für eine kleine Baderunde. Nächstes Mal komme ich vorbereitet. Mir bleibt nur die Hollerschorle im Biergarten als Abkühlung!

Gefundenes Fressen in der Sterntaler Filze

Die Lektion mit der Badekleidung bleibt heute nicht die einzige, die ich lerne. Nach meiner schattigen Biergartenpause radel ich schnurstracks zur Sterntaler Filze, einer verwunschenen Moorlandschaft mitten zwischen den Feldern des Voralpenlandes. Ich bin großer Moor-Fan und auch dieses ist mit Bohlenwegen durchzogen, was ich sehr gerne mag. 

Meine Radreifen brettern über das Holz. Hohes Schilf bedeckt die Sicht auf urige Moorteiche. Früher wurde hier mühsam Torf abgetragen, mit dem im Winter die Öfen beheizt wurden. Heute quaken die Frösche in den mit Regenwasser gefüllten Torfstichen und Libellen fliegen dicht über dem Wasser entlang. Hinter einer Abzweigung traue ich meinen Augen kaum: Heide! Hier ist Heidekraut am Blühen! Wie im Spätsommer in meiner Heimat der Lüneburger Heide sieht es hier aus. Ich hätte niemals erwartet, einen solchen Ort im Süden Bayerns zu finden. 

Ich stelle mein Fahrrad vor einem kleinen Holzverschlag ab. Unten stehen Schemel bereit, auf denen es sich Vorgelbeobachter gemütlich machen können. Ich klettere auf das Dach, um die Aussicht auf das weiter Moor zu genießen und lasse meinen Blick von links nach rechts schweifen: Moor, Moor, Moor und dann plötzlich die Berge im Hintergrund. Was für eine Kulisse! 

Die Begeisterung hat mich offenbar vergessen lassen, dass ich mit kurzer Hose und T-Shirt (dazu noch vollkommen verschwitzt) in ein Moor getapert bin. Erst in diesem Moment der Stille merke ich, wie zahlreiche Bremsen und Mücken sich gerade an meinen Armen und Beinen laben. Genug Natur für heute;  ich trete den Heimweg an, der jetzt im Licht der untergehenden Sonne besonders idyllisch ist. 

Chiemsee Alpenland

Eine Radtour entlang der Mangfall 

Eine etwas urbanere Radtour führt entlang der Mangfall von Rosenheim, über Kolbermoor nach Bad Aibling zurück. Wir nehmen am Morgen den Zug nach Rosenheim, wo wir zunächst durch die Gassen schlendern. Rosenheim besticht mit jeder Menge bayrischen Charme mit verwinkelten Gassen und historischen Bürgerhäusern. Am Marktplatz entdecken wir eine Feiergemeinde, die in Trachten gekleidet ist, was sich hier überhaupt nicht Fehl am Platz anfühlt.

Rosenheim Bayern
Rosenheim Bayern

Noch im Rosenheimer Mangfallpark wartet das erste Highlight: die Mangfall ist der Abfluss des Tegernsees und mündet hier im Park in den Inn. An der Innspitz beobachte ich ganz fasziniert, wir die dunkle klare Mangfall in den reißenden, durch Kalk hellgrün gefärbten Inn fließt. Gerade heute bei bewölktem Himmel wirkt das gesamte Schauspiel herrlich dramatisch.

Innspitz Rosenheim Bayern

Wir verabschieden uns vom Inn, um die Mangfall flussaufwärts zu radeln. Über Schotterpisten entlang geht es an alten Brücken und einigen Kraftwerken vorbei. Die Wasserkraft der Mangfall ist außerordentlich hoch, weswegen hier bereits im Mittelalter die ersten Kraftwerke entstanden. 

Eins dieser alten Kraftwerke ist die Alte Baumwoll-Spinnerei in Kolbermoor. Im Jahre 1863 nahm sie ihren Betrieb auf. Die Spindeln rotierten unaufhörlich, bis die Spinnerei 1898 von einem Großbrand vernichtet wurde. Im August 1900 wurde nach dem Wiederaufbau wieder los gesponnen, bis die Fabrik im Jahre 1993 gänzlich ihren Betrieb einstellte. Nach Jahren des Verfalls wurde das historische Werk ab 2008 restauriert und in ein Zentrum mit Wohn-, Büro-, Event- und Gastro-Flächen umgewandelt. Inmitten der Industriecharme-Lofts befindet sich die Konditorei Kuchenträume, in die wir flüchten, als die Regentropfen immer dicker werden.

Alte Spinner Kolbermoor Bayern
Alte Spinner Kolbermoor Bayern

Durch Feld und Wiesen am Samerberg

Nach den Radtouren in flachen Gefilden, freue ich mich auf meine erste Bergtour in Samerberg. Die Chiemgauer und Mangfalltaler Berge bieten eine Menge Abwechslung, so dass hier sowohl Wanderanfänger als auch Profis auf ihre Kosten kommen. 

Wandern entlang der Almwege

Auch ich gehe es zunächst etwas ruhiger an und starte meine Wanderung in Grainbach. Schon hier komme ich nur schleppend voran, weil ich die vielen schönen Bauernhäuser mit ihren Balkonen voller bunt blühender Geranien bestaunen muss. Ein geteerter Almweg führt mich vom Dorf weg in einen Wald hinein. Ich genieße das Rauschen der Blätter und lausche dem Bimmeln der Kuhglocken in der Ferne. 

Grainbach Samerberg Bayern

Nach ein paar Kilometern sind die Almwege nur noch mit Schotter bedeckt. Ich spaziere zwischen Feldern und saftig grünen Bergwiesen hindurch. Immer wieder balanciere ich über die großen Querstreben der Kuhfänger hinweg.

In einem weiteren Wald gelange ich an ein kleines Rinnsal. Neben einer Brücke liegt ein riesengroßer Stein. Der Findling aus der Gletscherzeit diente einst als Grenzstein zwischen der ehemaligen adligen Gerichtsherrschaft Hohenaschau und dem Gericht Rosenheim. Beim genaueren Hinsehen sehe ich ein A für Aschau und ein R für Rosenheim in den Stein gemeißelt. Sogar die alten Stadtwappen lassen sich noch leicht erkennen. 

Kräuterwiese Samerberg Chiemsee Alpenland
Kräuterwiese Samerberg Chiemsee Alpenland
  • Wanderung zur Kräuterwiese

  • 6,14 Kilometer

  • knapp 2 Stunden

  • Route: KOMOOT

Hinter dem Wald geht es über die Kräuterwiese weiter bis zur Käser Alm. Hier befindet sich die Mittelstation der Hochriesbahn, in die ich mich jetzt schwinge, um zum Gipfel hinauf zu fahren. Alleine die Fahrt ist ein Highlight, weil sich plötzlich das schier endlose Alpenpanorama vor mir ausbreitet. 

Alpenpanorama am Hochries Gipfel 

Als ich aus der Gipfelstation am Hochries heraus komme, fällt mein Blick direkt auf den im Tal gelegenen Chiemsee, auf dem die weißen Segel der Boote emsig hin und her schwimmen. Ich schlendere den Kiesweg auf dem Gipfel entlang und genieße die Aussicht auf das Alpenvorland – mit der Chiemsee-Alpenland App! Das ist kein Witz; die hat es mir wirklich angetan. Suche ich sonst nach Hinweisschildern oder probiere anhand von Karten herauszufinden, auf welche Gipfel ich gerade gucke, gibt es in der App einen Live-View. Ich muss nur mit meiner Handykamera über die Berge fahren und mir werden sämtliche Namen der umliegenden Gipfel gezeigt.

Hochries Gipfel Chiemsee Alpenland

Chiemsee Alpenland App

Direkt hinter dem Gipfelkreuz des Hochries herrscht buntes Treiben. Gleitschirme werden für einen Flug über das Tal bereit gelegt. Alle paar Minuten läuft wieder jemand gen Abhang, um dann vom Wind sanft in in den Himmel getragen zu werden. Das erinnert mich an meinen TANDEMFLUG IN TIROL. Ich war fasziniert von der Stille, die oben in der Luft herrscht. 

Bevor ich die Abfahrt antrete, gönne ich mir zu der einmaligen Aussicht noch ein paar Käsespätzle und den obligatorischen Wanderschnaps auf der Hochrieshütte.

Hochrieshütte Samerberg Chiemsee Alpenland
Hochries Gipfel Chiemsee Alpenland

Pures Gipfelglück an der Kampenwand

Es gibt einen guten Grund, weswegen ich mich nicht direkt bei der ersten Wanderung verausgabt habe. Im Vorwege der Reise hatte ich Wanderrouten recherchiert und bin dabei auf die Gipfeltour an der Kampenwand gestoßen. Die Voraussetzungen für die Wanderung lauten: Festes Schuhwerk (habe ich), Trittfestigkeit (habe ich wohl), Schwindelfreiheit (da gehe ich von aus). Was ich aber auch habe: eine Menge Respekt. Die Wanderung geht über herkömmliches Wandern hinaus; ich wage mich ans Bergsteigen. 

Ich mache mich früh morgens mit dem Wanderbus, den ich mit meiner Gästekarte vom Hotel umsonst nutzen kann, auf den Weg nach Aschau. Als ich das Schild der Kampenwandbahn sehe, bekomme ich Schweißhände. Das mag sich lustig anhören, aber in Hamburg und Umgebung gibt es keine Berge, so dass ich eine derartige Kraxeltour nicht auf die leichte Schulter nehme.

Bergauf mit der vintage Seilbahn

Alleine die Auffahrt ist schon abenteuerlich, denn die Kampenwandbahn ist eine 1957 erbaute Kleinkabinenbahn. Als ich am Einstieg stehe bin ich einerseits entzückt darüber, wie niedlich und historisch sie aussieht, aber auch gleichermaßen erschrocken, dass das Ding mich heil nach oben bringen soll. Ich sitze alleine in der Kabine. Es gibt Ecken, da kann ich durch das dünne Metall hindurchsehen. Meine Schweißhände bleiben.

Als ich sicher oben angekommen bin, entspannt sich mein Gemüt. Von der Bergstation aus führt der Weg an der SonnenAlm vorbei auf den Panorama-Wanderweg. Eine gewaltige Aussicht auf den Chiemsee macht sich vor mir breit. Zu meiner Linken ragt der schmale Staffelstein steil in die Höhe. Eine rote Regenjacken klettert gerade gen Gipfel. 

Staffelstein Kampenwand Chiemsee Alpenwand
Staffelstein Kampenwand Chiemsee Alpenwand

Weiter den Panorama-Weg entlang, der seinem Namen alle Ehre macht, gelange ich an die Steinling Alm. Es ist früh, sie ist noch geschlossen. Wenige Meter entfernt steht eine kleine Kapelle. An der Seitenwand mit Blick auf den Chiemsee suche ich mir ein lauschiges Plätzchen, um erstmal zu frühstücken.

Kampenwand Chiemsee Alpenland

Die Kampenwand-Gipfeltour

Gestärkt mache ich mich auf den Weg. Unweit der Steinling Alm steht der Wegweiser in Richtung Kampenwand. Ich blicke nach oben und auch die Kampenwand hat sich ihren Namen redlich verdient: das ist eine ganz steile Angelegenheit. Der Schotterweg, der aussieht als sei er mitten ins Gras gefräst, führt steil bergauf. Immer wieder muss ich anhalten, um die schöne Aussicht zu genießen (Mein Code für: Ich kann nicht mehr, ich brauche eine Pause!). 

  • Kampenwand Gipfeltour

  • 8,47 Kilometer

  • 3,5 Stunden

  • Route: KOMOOT

Schon nach kurzer Zeit muss ich meine Arme zur Hilfe nehmen, mit denen ich mich an den Felsen hochziehe. Das Geröllfeld wird immer felsiger. Die Stellen, an denen die Wanderer mit ihren Füßen und Händen entlang kraxeln, sind schon ganz glatt poliert. 

In der Schlechinger Scharte, in der die Felswände zu beiden Seiten in die Höhe ragen, hilft ein kleiner Klettersteig auf einen großen Felsen hinauf. Dahinter wartet eine aussichtsreiche Hochfläche auf mich, bei der ich eine kleine Pause einlege. Schon jetzt bin ich überglücklich. Klettern macht mir unheimlich viel Spaß.

Kampenwand Gipfeltour Chiemgau Bayern

Um auf den Gipfel zu gelangen, muss der letzte Felsen umrundet werden. Der Weg ist so schmal, dass ich mich an dem in den Fels gehauenen Stahlseil entlanghangeln muss. Die letzten Meter zum Gipfel sind ungesichert. Vorsichtig klettere ich die Felsen entlang bis zu einer eisernen Brücke, die mir einen riesengroßen Schock einjagt: Als ich mich an einem der Pfeiler festhalten will, wackelt er. Ein ordentlicher Schockmoment in 1.669 Meter Höhe!

Adrenalin geladen gehe ich die letzten Schritte auf das 12 Meter hohe Chiemgau Kreuz zu. Es ist das höchste Bergkreuz der Bayrischen Alpen. Seit den frühen 1950er Jahren steht es hier oben. Es wurde aus Teilen alter Sauerstoffflaschen und Panzern aus dem Zweiten Weltkrieg erbaut und erinnert an die Gefallenen der Region. Von hier oben habe ich einen Rundumblick auf das Voralpenland und die Täler, die am Fusse des Berges liegen und sich auf der anderen Seite wieder zu neuen Bergen erheben. 

Kampenwand Gipfeltour Chiemgau Bayern
Kampenwand Gipfeltour Chiemgau Bayern
Kampenwand Gipfeltour Chiemgau Bayern
Kampenwand Gipfeltour Chiemgau Bayern

Der Abstieg ist nochmal aufregend, denn hinunter ist es fast beängstigender als bergauf und ich muss einige Male rückwärts die Felsen hinab klettern. Dafür gönne ich mir an der mittlerweile geöffneten Steinling Alm erstmal mein Gipfel-Geschafft-Gedeck mit Apfelschorle und Schnaps. Der scheint mir wieder Kräfte zu verleihen, denn ich entscheide mich für den Rückweg nach Aschau gegen die Kampenwandbahn und mache mich zu Fuß auf den Weg.

Leider ist der nicht annähernd so spannend wie der Panoramaweg (obwohl er auch schöne Ausblicke bietet), denn er führt meist auf einer asphaltierten Straße entlang. Die Baumgrenze ist eine willkommene Abwechslung, nicht nur weil mich der Wald von der Straße ablenkt, sondern auch weil es hier eine kleine Abzweigung mit einem Schild Richtung Talstation gibt. Das war die richtige Wahl, denn mein Weg führt mich schmale Waldwege entlang, die teilweise direkt an den großen Felsen liegen, die ich am Morgen von der Bahn aus gesehen habe. 

Kampenwand Wanderung Aschau

Kampenwand Wanderung Aschau
Kampenwand Wanderung Aschau

Wieder zurück in Aschau, weiß ich was ich getan habe. Meine Beine lassen sich kaum mehr bewegen. Und siehe da: ich habe noch eine Lektion gelernt. Auf meine nächste Wanderreise nehme ich Wanderstöcke mit!

FAQ für deine Reise ins Chiemsee-Alpenland

Anreisen & Rumreisen 

Wie komme ich am besten  ins Chiemsee-Alpenland?
Von München aus ist die Chiemsee-Alpenland Region nur einen Katzensprung entfernt: nach Rosenheim und Bad Aibling fährst du mit dem Auto nur ungefähr eine Stunde. Der Zug braucht von München nach Rosenheim eine Dreiviertelstunde. 

Kann ich im Chiemsee-Alpenland mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren?
Von Rosenheim aus erreichst du Bad Aibling und viele weitere Destinationen in der Region PER BUS. An meinem Wochenende im Chiemsee-Alpenland bin ich nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren. Das ging ganz unkompliziert. Wer in der Region in einem Hotel übernachtet bekommt eine GÄSTEKARTE. Mit dieser können sogar viele Buslinien kostenfrei genutzt werden.

Reisezeit

Wann ist die beste Reisezeit für eine Reise ins Chiemsee-Alpenland?
Bei der besten Reisezeit ins Chiemsee-Alpenland stellt sich die Frage, was du dort gerne machen möchtest. Im Frühling, wenn die Bergblumen blühen und im Herbst, wenn sich die Blätter färben ist die spannendste Zeit zum Wandern. Außerdem sind die Temperaturen dann sehr angenehm. Aber auch der Sommer hat seine Reize. Bei anstrengenden Tagen ist natürlich Vorsicht geboten, ansonsten eignen sich besonders Touren in der Nähe der vielen Flüsse. Es gibt schattige Bergwälder, Wasserfälle und Gebirgsbäche. In der Zeit ist natürlich der Chiemsee selbst ein besonders attraktives Reiseziel. Der Winter lädt schließlich mit schneebedeckten Gipfel zum Skifahren, Snowboarden oder Schneeschuhwandern ein.

Panoramaweg Kampenwand Bayern

Unterkunft

Welche Unterkunft ist im Chiemsee-Alpenland empfehlenswert?

ROMANTIK-HOTEL LINDNER
Marienplatz 5
83043 Bad Aibling

Preis: DZ ab 107,00 EUR 

Das Romantik-Hotel Lindner im ehemaligen Schloss Prantshausen bietet jede Menge Komfort und Wohlfühlmomente. Die Zimmer sind modern eingerichtet, ohne etwas von der oberbayerischen Gemütlichkeit zu verlieren. Was mir sehr gefällt: das Hotel ist bio-zertifiziert und setzt auf regionale Gastronomie, nachhaltig erzeugte Energie und eine natürliche Bauweise. Ganz wichtig: nicht nur das Frühstück hier kosten. Es lohnt sich auch ein Besuch in dem Restaurant! Und für tagsüber verleiht das Hotel auch Fahrräder und E-Bikes an seine Gäste.

Food & Drinks

Welche waren meine Lieblings-Cafés im Chiemsee-Alpenland?

Eiscafé Venezia
Bahnhofstraße 18
83043 Bad Aibling

Öffnungszeiten: täglich 10:00-21:00 Uhr

Kein Urlaub ohne vernünftige Eisbecher! Die gibt es im Eiscafé Venezia in Bad Aibling zur Genüge. Mich hat es direkt nach meiner Ankunft hierhin verschlagen, so dass ich meine Touren bei einem leckeren Spaghetti-Eis geplant habe.

DIE ARCHE 
Rathausstraße 23a
83022 Rosenheim

Öffnungszeiten: Dienstag-Sonntag 11:30-17:00 Uhr, Montag geschlossen

Das Café Die Arche verdient seinen Namen schon alleine, weil sie wie ein großes Holzschiff aussieht und damit an die Arche aus der Bibel erinnert. Außerdem herrscht eine besonders herzliche Atmosphäre. Hier arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung zusammen. Wenn dir nach den leckeren Speisen und Kuchen nach etwas Bewegung ist, kannst du direkt nebenan eine Runde Minigolf spielen.

KUCHENTRÄUME
An der Alten Spinnerei 3
83059 Kolbermoor

Öffnungszeiten: Montag-Freitag 9:00-17:00 Uhr, Samstag & Sonntag 10:00-17:00 Uh

Die Konditorei Kuchenträume steht auf dem Areal der Alten Baumwoll-Spinnerei. Hier erwarten dich neben tollsten Kuchen- und Tortenkreationen Leckereien wie Florentiner, Macarons, Obsttörtchen. Alle Süßteile werden in der offenen Backstube im Café hergestellt. 

Die Arche Rosenheim Bayern
Konditorei Kuchenträume Kolbermoor Bayern

Welche Restaurants sind im Chiemsee-Alpenland empfehlenswert?

LINDNER STUB’N
Marienplatz 5
83043 Bad Aibling

Öffnungszeiten Schwemme: Montag bis Samstag,
12.00-23.00 Uhr

Öffnungszeiten Stub’n: Donnerstag bis Samstag,
18.30-23.00 Uhr

Das Romantik-Hotel Lindner bietet neben schönen Zimmern auch hervorragende Küche an. Im Restaurant Lindners Stub’n und der gemütliche Schwemme gibt es bayerische und alpenländische Köstlichkeiten. Auf der Karte finden sich frisch zubereitete gutbürgerliche Gerichte.

Hochrieshütte
Hochriesgipfel 1
83122 Samerberg

Genuss in 1.569 Metern Höhe gibt es in der Hochrieshütte. Egal, ob du dir deine Mahlzeit beim Bergaufstieg verdient hast oder mit der Bahn hochgefahren bist und einfach noch ein bisschen die Aussicht hier oben genießen möchtest – ein kleines Schmankerl ist ein Muss. Ich kann die Käsespätzle empfehlen. Neben Speis und Trank gibt es auch die Möglichkeit, auf der Hochrieshütte zu ÜBERNACHTEN.

Steinling Alm
Brandnerweg 6
83229 Aschau im Chiemgau

Öffnungszeiten: Dienstag-Sonntag 9:30-17:00 Uhr, Montag geschlossen

Von der Steinling Alm aus hast du einen fantastischen Blick ins Tal und auch auf die massive Kampenwand. Im Sommer sitzt du hier inmitten bunter Bergblumen und im Winter mitten im Naturschnee-Skigebiet der Kampenwand. Neben den herzhaften Mahlzeiten lohnt es sich, den frisch gebackenen Kuchen zu probieren.

Kampenwand Wanderung Aschau

Weitere Sehenswürdigkeiten & Aktivitäten

Lohnt sich ein Besuch in der Therme Bad Aibling?

Therme Bad Aibling 
Lindenstraße 32
83043 Bad Aibling

Eintritt: die Preise variieren je nach TAGESZEIT

Öffnungszeiten: Sonntag-Donnerstag 10:00-22:00 Uhr, Freitag & Samstag 10:00-23:00 Uhr

Es wäre schon fast Verrat, wenn du bei einem Besuch in Bad Aibling nicht die Therme besuchst. Auf mehr als 10.000 Quadratmetern wird dir hier Spa und Wellness pur geboten. Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Bäder, Saunen und Entspannungsräume. Neben den Hallenbädern gibt es auch ein Freibad. 

Wo bekomme ich Informationen zu Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten im Chiemsee-Alpenland?
Umfangreiche Informationen zu sämtlichen Sehenswürdigkeiten, Wander- und Radtouren, Unterkünften und sonstigen Ausflugszielen findest du auf der Webseite des CHIEMSEE-ALPENLAND. Ich kann nur nochmal betonen, wie großartig ich die APP der Region finde. 

Gibt es im Chiemsee-Alpenland auch geführte Wanderungen?
Um beim Wandern tiefer in die Kultur, Geschichte, Flora und Fauna einzutauchen, empfehlen sich geführte Wandertouren. Diese kannst du auch hervorragend an eine deiner individuell geplanten Touren anknüpfen. Wenn du zum Beispiel auf die Kampenwand klettern möchtest, könntest du vorab die BERGBLUMEN UND BERGG’SCHICHTEN Tour machen (5,00 EUR). Bei der 1,5 stündigen Wanderung zeigen dir die Bauernlandlerinnen die Pflanzenwelt auf rund 1.500 Meter Höhe und erzählen dabei Geschichten über die Welt der Alpen. 

Hochries Gipfel Samerberg Chiemsee Alpenland

Brauche ich Wanderschuhe für die Kampenwand Gipfeltour?

LOWA Testcenter an der Kampenwand
Direkt an der Bergstation

Öffnungszeiten: 23. Mai bis 8. November, täglich von 9:00-15:00 Uhr

Wanderschuhe sind für Wanderungen immer empfehlenswert und für die Gipfeltour auf die Kampenwand absolut ratsam. Ein Tipp: Direkt an der Bergstation der Kampenwandbahn hat LOWA (meine persönlichen Lieblingsschuhe) ein Testcenter, in dem sich jeder Wanderer, ein Modell der Linien Renegade, Camino und Mauria zum Testen ausleihen kann. Du musst lediglich deinen Ausweis als Pfand hinterlassen und kannst losmarschieren. Es gibt sogar eine markierte Testrunder. Auf der ungefähr einstündigen Wanderung kannst du die Schuhe auf unterschiedlichsten Untergründen umfangreich testen.

Falls du noch weitere Fragen zu meiner Reise ins Chiemsee-Alpenland hast, hinterlasse gerne einen Kommentar oder schick‘ mir eine MAIL. Ich freue mich auf deine Nachricht.

Noch mehr Reiselektüre über das Chiemsee-Alpenland

  • Umfangreiche Informationen und Reisetipps für die Region findest du auf der offiziellen Webseite vom CHIEMSEE-ALPENLAND.  
  • Ganz wundervolle Wandertouren und grüne Abenteuer im Chiemsee-Alpenland hat Silvia von ABENTEUERZEILEN für dich zusammengefasst.   
  • Was es alles im Städtedreieck Rosenheim, Bad Aibling und Bad Feilnbach zu entdecken gibt, erzählt euch Kathi in ihrem Blog KULTURTÄNZER
  • Wenn du Lust auf ein Wochenende in Rosenheim hast, berichtet Britta auf MY HAPPY PLACES, was du auf keinen Fall verpassen solltest.