Gäbe es ein Schlaraffenland der Früchte, so wäre es ganz bestimmt das im südwestlichen Teil Niederösterreichs gelegene Mostviertel. Es erstreckt sich von der Donau bis zum Ötscherberg. Während gen Süden die ersten Gebirge wachsen, ist es auf den fruchtbaren Äckern und Wiesen im Norden die außerordentliche Vielfalt an verschiedenen Obstsorten, die das Mostviertel prägen. 

Die Früchte sind das Gold der Region und werden zu Weinen, Bränden und allerlei Produkten zum Verfeinern von Speisen verarbeitet. Im Mostviertel lässt sich das Leben in vollen Zügen (aus dem einen oder anderen Wein- und Schnapsglas) genießen.

Eine kulinarische Reise durch das Mostviertel Pinterest

Tradition weiter gedacht: Farthofers Mostelleria 

„Hier werden seit fünf Generationen Fruchtschnäpse und Brände destilliert.” Diesen Satz habe ich in Österreich schon sehr oft gehört (wobei die Zahl natürlich immer variiert). Ich finde es immer wieder rührend, wenn Familientradition und -Handwerk fortgeführt wird. Bei Doris und Josef Farthofer ist es auch so – jedoch fließt in ihren Handwerksadern auch jede Menge heißes Innovationsblut. Sie möchten die Traditionen nutzen, um einen Schritt weiter zu gehen. 

Dass es nicht bei einem Schritt blieb, wurde uns bei einer Besichtigung der Bio zertifizierten Destillerie in Öhling klar. 

Nachdem bei seinen Eltern die Mostproduktion eher in den Hintergrund gerückt ist, ließ Josef sie wieder aufleben. Schon als Teenager begann er mit Apfel- und Birnenmost zu experimentieren und stellte mit 19 Jahren schließlich seinen ersten Most und alkoholfreien Saft her. Die Leidenschaft war geweckt und intensivierte sich schließlich im Schnapsbrennen. Josef tüftele und probierte immer weiter, auch in Richtung Hochprozentiges, und erhielt bei der IWSC (International Wine and Spirits Competition) im Jahre 2012 sogar die Auszeichnung für den weltbesten Vodka.

Mein neues Lieblingsgetränk: Der Mostello 

Die ungeschlagenen Stars der Mostelleria sind aber weiterhin die intensiven Mostbirnen der eigenen Bäume, aus denen Weine, Schnäpse, Edelbrände und – mein neues Lieblingsgetränk – Mostello zubereitet werden. Auf meiner Reise nach MADEIRA hatte ich ein Madeira Wine Tasting gemacht. Ein Wein, der mit Portwein zu vergleichen ist. Dabei ging ich immer von schwerem Dessertwein aus und war begeistert als ich erfuhr, dass es auch trockene und leichtere Varianten gibt. Die Farthofers setzten noch Einen drauf und herauskommt der Mostello. Ebenfalls eine Mischung aus Wein und Brand, aber eben mit dem sensationellen Geschmack der Mostbirne. 

Der Mostello wird aus vier verschiedenen Birnen hergestellt. Die Gärung der Birnen wird nach kurzer Zeit durch Zugabe von hauseigenem Bio-Mostbirnendestillat gestoppt. Anschließend reift der Mostello in gebrauchten Rotwein-Eichenholzfässern. Im ersten Jahr stehen die Fässer sogar draußen, wo sie würzige Alpenluft atmen können, bevor sie weitere vier Jahre im Keller ausharren. 

Nach einem kleinen ersten Test des lieblichen Mostello direkt aus dem Fass, durften wir bei der anschließenden Verkostung noch eine leichtere Variante testen.

“Tischlein deck’ Dich”-Verkostung

Auch bei dem Thema Verkostung gehen Doris und Josef neue Wege und lassen die Besucher:innen entscheiden, was beim Tasting auf den Tisch kommt. Das Ganze nennt sich TISCHLEIN DECK’ DICH

Wir durften zwischen alkoholfreien Apfel- und Birnensäften, köstlichem Most, feinen Edelbränden, dem Mostello sowie Wodka oder Whiskey aus unterschiedlichen Getreidearten wählen. Dazu wurden Snacks aus regionalen Produkten gereicht. Auch vegetarische und vegane Wünsche können bei der Verkostung berücksichtigt werden.

Farthofer Destillerie
Mostviertelplatz 6
3362 Öhling

Öffnungszeiten: Donnerstag & Freitag 10:00-12:00 Uhr & 13:00-17:00 Uhr, Samstag 10:00-12:00 Uhr

Alle Produkte sind natürlich auf Biobasis. Bei Wodka und Whiskey werden außergewöhnliche Getreide wie etwa Nackthafer verwendet, der auch aus dem eigenen Anbau stammt und in der hauseigenen Mälzerei verarbeitet wird. Bei Farthofers geht quasi alles in einer Hand vom Feld oder Baum direkt in die Flasche.

Farthofer Mostelleria Tischlein deck dich
Farthofer Mostelleria Tischlein deck dich

Zu Besuch beim Mostbaron auf dem GenussBauernhof Distelberger

Noch den Mostello auf der Zunge ging es für uns weiter nach Amstetten zum GenussBauernhof Distelberger. Hier erwartete uns Toni bereits; zwar nicht mit wehenden Fahnen, aber mit wehender Feder am Hut. 

Die Vereinigung der Mostbarone

Toni ist nämlich Mostbaron und somit Vertreter des Mostviertels und regionaler Produkte. Die Mostbarone, zu deren Kutte auch der Filzhut mit der großen weißen Feder gehört, helfen und unterstützen sich gegenseitig, um die die Tradition des Mostviertels aufrecht zu erhalten. Zu der Vereinigung gehören neben den Produzenten auch Wirte, Hoteliers und Heurigenbetriebe. Ein Heuriger ist eine Wirtschaft, in der ortsübliche Getränke, Jung- und Altwein, aber auch Most ausgeschenkt wird. So einen Buschenschank hat Toni auch, aber bei ihm fängt Most-Geschichte schon viel früher an.

GenussBauernhof Distelberger
GenussBauernhof Distelberger

Tonis Reich liegt um seinen Vierkanthof herum und besteht bereits seit dem Jahr 1111. Nahezu 2.000, teilweise uralte, Mostbirnbäume stehen hier. Die teilweise zwischen 80 und 100 Jahren alte Bäume und bescheren Toni mit bestem Obst-Gold. MIt etwa 2.000 Mostbirnbäumen ist der Distelberger Hof der Betrieb mit der höchsten Zahl an Bäumen im ganzen Land.

Da das Klima dem Weinklima sehr ähnlich ist, fühlen sich die Birnen hier besonders wohl. Die Bäume sind von Natur aus Tiefwurzler. Die Wurzeln bilden ein großes Geflecht, das in alle Richtungen auswächst. Daher fühlen sie sich in dem Lehmboden bei Toni besonders wohl.

Mostheuriger Distelberger
Gigerreith 39
3300 Amstetten

Öffnungszeiten: Dienstag-Freitag 9:00-17:00 Uhr, Samstag 16:00-23:00 Uhr, Sonntag 15:00-22:00 Uhr, Montag geschlossen

Ein tolles Erlebnis ist ein Besuch Ende April zur Birnbaumblüte. Das Blütenmeer ist zu dieser Zeit überwältigend. Nachdem wir uns auf dem Hof umgesehen und von der Hängematte aus die Birnenbäume beobachtet hatten, setzten wir uns gemeinsam in die Wirtschaft, um ein paar von Tonis Kreationen zu probieren. Er tischte ordentlich auf.

GenussBauernhof Distelberger

Neben Most und Edelbränden, servierte uns Toni die raffiniertesten Senf- und Essig-Kreationen. Auf die Frage hin, wie diese Köstlichkeiten entstehen, antwortete Toni: „Meist sitze ich mit Freuden bei dem einen oder anderen Mostgrtränk beisammen und jemand sagt „Dies und jenes wäre doch eine ausgefallene Kombination.” Dann probieren wir es aus und wenn es gefällt kommt es in unser kleines Lädchen oder in die Heurigen-Karte. Hört sich nach einer sehr angenehmen Kreativrunde an. Mir haben übrigens besonders der Birnensenf und der Birnen Balsam Essig gefallen, auf die ich auch in Zukunft nicht verzichten muss, da Toni sie im ONLINESHOP vom GenussBauernhof Distelberger anbietet.

Der ultimative Saftladen: Obsthof & Weingut Altenriederer

Weitere freche Früchtchen abseits vom Alkohol warteten auf dem Obsthof Altenriederer auf uns. Auch wenn ein Weingut zum Hof gehört, spielen hier die unterschiedlichsten Obstsorten die erste Geige, aus denen die Familie Altenriederer hochwertige sowie sortenreine Fruchtsäfte und Nektare herstellt. 

Als Erich mit 20 Jahren den Familienbetrieb übernahm, war der Hof noch ein Mischbetrieb mit Vieh und Buschenschank. Doch Erichs Leidenschaft ist das Obst und so wandelte er das Weideland in Obstplantagen um. Heute wachsen über 150 verschiedene Obstsorten auf dem etwa 20 Hektar großen Hof. 

Obsthof Altenriederer

Das Obst verarbeiten die Altenriederers in ihrer eigenen Produktionshalle zu Säften mit 100% Fruchtanteil. In der Erntezeit gehen bis zu 3.000 Flaschen pro Tag vom Band. Dabei werden die Fruchtsäfte ausschließlich durch Pasteurisierung haltbar gemacht. Bei dem Vorgang wird der Saft schonend erhitzt und heiß abgefüllt, damit sämtliche Vitamine und Inhaltsstoffe so gut wie möglich erhalten bleiben. Die Säfte gibt es auf dem Hof direkt zu kaufen. 

Obsthof Altenriederer
Im Obstgarten 1
3134 Franzhausen

Öffnungszeiten: Montag-Samstag 09:00-18:00 Uhr

Zusätzlich touren die Altenriederers auch auf den Märkten in der Umgebung, auf denen neben Säften auch Früchte verkauft werden. Noch frischer bekommst du das Obst aber im hofeigenen Pflückgarten, in dem du selbst Hand anlegen darfst. Von Mitte Mai bis in den Herbst gibt es verschiedene Obstsorten zum selber ernten. Die Erdbeeren eröffnen traditionell die Pflücksaison, die sich über Kirschen, Weichseln, Ribisel, Brombeeren, Himbeeren bis in den Spätsommer zu den Weintrauben, Äpfeln, Pfirsichen und Zwetschken zieht.

Nicht das, sondern die Dirndl

Zwischen all diesen unterschiedlichen Obstsorten und der Birne, der Namensgeberin des Mostviertels, gibt es ein weiteres Frucht-Highlight, die Dirndl. Genau: nicht das, sondern die Dirndl ist im Mostviertel ein wahrer Star unter den Obstsorten. Solltest du mit einem Österreicher über die Dirndl sprechen, so bezeichne sie nicht als „eine Art Kirsche.” Tatsächlich sieht die Frucht der Kirsche ähnlich und wird im Deutschen sogar Kornelkirsche genannt. Trotzdem ist die Dirndl botanisch nicht mit der Kirsche verwandt. Der vermeintliche Kern in der Mitte ist nämlich ein Samen. 

Die Dirndl wächst an Sträuchern, die im Laufe der Zeit zu kleinen Bäumen heranwachsen. So ist eine 25jährige Dirndl etwa vier Meter groß. Mit 50 Jahren erreicht sie knapp acht Meter. Diese wunderschöne Dirndl, die wir auf dem Bergbauernhof Fuxsteiner gesehen haben, ist sogar um die 500 Jahre alt.

Dirndl Bergbauernhof Fuxsteiner

Die Dirndlblüte

Ein wahrer Dirndl-Liebhaber ist Hans Weiß vom Naturhotel Steinschalerhof. Begeistert erzählte er uns von der Dirndlblüte, die ein wahrer Frühaufsteher ist. Bereits im August hat die Dirndl ihre Knospen für die Blüte im folgenden Jahr vorbereitet. Wenn meist noch der letzte Winterschnee die Felder und Wiesen des Mostviertels bedeckt, erkämpft sich die gelbe, an Forsythien erinnernde, Blüte ihren Weg in die Freiheit. So kann es sein, dass die sanften, sich noch im Winterschlaf befindenden Hügel des Pielachtals mit einem gelben Blütenmeer bedeckt ist. Eine besonders schöne Zeit für eine außergewöhnliche Wanderung durch das Mostviertel.

Die 1. Dirndlmanufaktur Fuxsteiner

Dirndl Produkte testen kannst du ganzjährig auf dem Bergbauernhof der Familie Fuxsteiner. Drei Generationen kümmern sich gemeinsam darum, dass die Dirndl zu Marmelade, Sirup, Essig, Honig, Brände und Dirndl-Liköre verarbeitet wird. Seit wie vielen Generationen es den Fuxsteiner Hof bereits gibt, hat die Familie noch nicht genau bestimmen können. Die erste Urkunde über belegt die Existenz des Hofes bereits im Jahr 1112

Seit Jahrhunderten werden auf dem Hof Dirndln gezüchtet – sowohl süße als auch saure. Spannend fand ich, dass keine Dirndl wie die andere ist. Das hat den Vorteil, dass wenn ein Strauch wegen eines Gendefekts oder ähnlichem nicht richtig heranwächst, diese Krankheit nicht vererbt werden kann. Das Holz von kräftigen Dirndln ist außerdem so robust, dass es früher häufig für Werkzeug genutzt wurde. Es ist zudem sehr schwer und geht sogar im Wasser unter. Es ist sogar belegt, dass Romulus und Remus Speere aus Dirndlholz besaßen. Die Lebensdauer der Dirndl ist lang; sie können bis zu 1.000 Jahre alt werden. 

Aber nicht nur das Holz der Frucht ist stark, auch die Dirndl an sich besitzt magische Kräfte. Sie ist unheimlich reich an Calcium. 6 Dirndln am Tag decken schon den Calcium-Bedarf eines Erwachsenen. 

Dirndl Evelyn

Geerntet werden die Dirndln von Netzen, die am Boden der Sträucher und Bäume liegen. Die Reifung der Früchte ist erst beim Herabfallen vom Strauch vollendet. Das ist meist Ende August. Dann werden die Netze behutsam ausgeschüttet. Bis zu 25 Tonnen Dirndln werden pro Saison geerntet. Das hört sich unglaublich viel an, aber alleine für drei bis fünf Liter Dirndlschnaps werden etwa 100 Kilogramm Früchte benötigt. 

Nach der Ernte steht für die Fuxsteiners die Verarbeitung der Früchte auf dem Programm. Das meiste stellen sie in Eigenregie und nach Geheimrezepten her. Nach unserer Führung durch Teile der Produktionsstätten durften wir einige Dirndl-Produkte kosten. Die große Frage, die wir uns bei sämtlichen Kostproben stellten: wo bekommen wir nun ein Stück Land her, auf dem wir auch Dirndln züchten können?

Dirndl GenussBauernhof Distelberger

Heurigen Abende in der Ahrenberger der Kellergasse

Weil das mit dem Dirndlzüchten sich gewiss schwieriger gestaltet, widmeten wir uns lieber erfolgversprechenden Dingen, wie dem Weintrinken. Das geht in Österreich besonders charmant in einer Kellergasse. Bei den kleinen Straßen handelt es sich um Gassen in einem Weinanbaugebiet, an der sich die Weinkeller und Presshäuser entlang reihen. 

Wir besuchten die Ahrenberger Kellergasse, neben der kleinen Ortschaft Gemeinlebarn. Zusammen mit der Eichberg Kellergasse bildet sie die längste ganzjährig bewirtschaftete Kellergasse Niederösterreichs – 123 Keller reihen sich hier aneinander. 

In den Kellern gibt es neben dem Wein auch lokale Spezialitäten. Bereits seit den 30er Jahren, finden hier Winzer-Heurigen statt. Dabei wechseln sich die einzelnen Betriebe im zwei Wochen Takt das ganze Jahr über ab – einer hat also immer offen. Welche Familie gerade die Gäste der Kellergasse bewirtschaftet, siehst du im HEURIGEN KALENDER. Bevor wir in den Genuss von Wein und Brotzeit kamen, machte Helmut, ein Urgestein der Ahrenberger Kellergasse, einen Spaziergang mit uns.

Der Korkenzieher: Rundblick über die Weinberge

Entlang des Weinlehrpfades, der uns in die Weinberge hinter der Kellergasse führte, stehen Infoschilder, auf denen die Geschichte des Weinanbaugebietes zu lesen steht. Noch in der Kellergasse selbst steht das sprechende Weinfass, in das wir uns setzten, um per Knopfdruck der Geschichten über die Kellergasse zu lauschen. 

Am höchsten Punkt der sanften Hügel, oben auf dem Fuchsberg, steht der Korkenzieher. Wir erklommen die 74 Stufen und standen ganz oben auf dem 12,5 Meter hohen Turm. Von hier aus konnten wir kilometerweit über die Weingärten schauen. Drei Heißluftballons flogen in der Ferne in den Sonnenuntergang, der für uns die Weinreben in magisches Licht tauchte.

Ahrenberger Kellergasse Korkenzieher

Erst als die Sonne fast hinter den Hügeln verschwunden war, machten wir uns auf den Rückweg in die Gasse, wo wir uns im Heurigen der Familie Gramer an einen großen Holztisch setzen, der im Nu mit Wein, Aufschnitt und Käse bedeckt war. 

Wir prosteten uns mit einem heiteren „Mahlzeit!” zu. Der Trinkspruch gilt in der Kellergasse bis zum 11. November – dann kommt der Sturm. So wird der gepresste Traubensaft und somit noch nicht fertige Wein, dessen Gärprozess gerade erst begonnen hat, genannt. Er ist zu vergleichen mit dem uns eher bekannten Federweißen. Sobald der Sturm begonnen hat, wird wieder „Prost!” gesagt. Soviel zum kleinen Kellergassen-Knigge.

Kellergasse Ahrenberg
Eichberg-Ahrenberg
3133 Traismauer

Falls du ein paar Tage in Wien verbringst, solltest du unbedingt einen Abstecher in die Ahrenberger Kellergasse machen. Du kannst sogar ganz bequem mit der Bahn hinkommen. Von Wien aus benötigt die S40 etwa anderthalb Stunden bis zum Bahnhof Gemeinlebarn, von wo aus du die Kellergasse zu Fuß erreichen kannst.

Natur-Genuss: Die Wanderung durch die Ötschergräben

„Wir können doch nicht die ganze Zeit nur Wein und Schnaps trinken”, dachten wir uns und suchten uns eine Wanderung in der Nähe raus. Sie führte uns durch die Ötschergräben – unter Kennern auch Der Grand Canyon Österreichs genannt. Der Ötscherbach formte über Jahrtausende hinweg an der Südseite des Östcherberges eine beeindruckende Schluchtenlandschaft tief in die Erde. 

Unsere Wanderung begann an der Ötscherbasis Wienerbruck. Von dort ging es schon bald vom Stausee hinweg in eine grüne Waldschulcht hinein. Von hier führte der Weg über Brücken und auf Holzwegen am Fels entlang, unter denen das Wasser über moosbewachsene Felsen plätscherte. Das erste Highlight war der Kienbachfall, der über mehrere Kaskaden, an den Bäumen und Sträuchern vorbei, die Felswand hinunter schoss. 

Kienbachfall Ötschergräben

Hinter jeder Kurve wurde die Landschaft spektakulärer. Neben der Brücke über den Absturz des Lassingfall kletterten wir die Felsen hinab zur Felskante – natürlich ganz vorsichtig. Wir setzen uns ganz an den Rand, um zum Geräusch des rauschenden Wassers die beeindruckende Bergkulisse zu genießen. 

Lassingfall Ötschergräben

Auf Kieselwegen am Hang ging es weiter. An zwei Stellen führte uns der Weg durch kleine Felstunnel hindurch. Die Berge, die ich so schroff in Niederösterreich gar nicht erwartet hatte, türmten sich hintereinander auf. 

Nach knapp drei Kilometern, in denen es leicht bergab ging, erreichten wir ein Wasserkraftwerk. Wir überquerten den türkisen Fluss der Erlauf auf einer Brücke, hinter der sich der Wanderweg teilte. Unser Weg führte nach links in die Ötschergräben hinein. Das Wasser der Erlauf blitzte immer wieder in schönstem Türkis durch die Bäume hindurch. Für die weniger kälteempfindlichen Abenteurer:innen bietet der Fluss im Sommer viele ruhige Wasserstellen zum Baden

Ötschergräben
Ötschergräben

Über weitere Holzbrücken- und Wege am Hang und die atemberaubend schöne Schlucht  entlang, endete der Highlight-Wanderweg schließ beim Ötscherhias. Hier kehrten wir für eine kleine Brotzeit und einen Schnaps ein. Leider blieb uns keine Zeit von hier aus noch einen kleinen Abstecher zum Mirafall zu machen – den solltest du bei deiner Wanderung unbedingt einplanen. 

Ötschergräben

  • Wanderung durch die Ötschergräben

  • 8,29 Kilometer

  • 3 Stunden

  • Route: KOMOOT

Und noch ein Tipp: auch wenn die Wanderung keine großen Höhenunterschiede hat, so empfehlen sich dennoch vernünftige Wanderschuhe, da die Wege oft kieselig und rutschig sind. Und: je nachdem, wie viel Abenteuer dir lieb ist, gibt es einige Stelle, an denen du Felsen hinauf oder am Wasserfall entlang kraxeln kannst.

Ötschergräben Ötscherhias

Hinter dem Ötscherhias geht es ein ganzes Stück den Wald hinauf, vorbei an einer Wassermühle, bis zu einer Forststraße. Sie führt an einem weiteren Stausee entlang zum Erlaufklausen Bahnhof, von wo aus wir mit der Mariazellerbahn zurück nach Wienerbruck fuhren.

Die La Müh La, ohlala!

Es mag so aussehen, als seien wir im Mostviertel ausschließlich trinken gewesen, dabei geht der Genuss und das Handwerk im Mostviertel weit über Flüssigkeiten hinaus. Der Nachhaltigkeitsgedanke und das bewahren alter Traditionen wird bei Familie Langer in Atzenbrugg auch im Müllerhandwerk gelebt.

Die Langers betreiben eine traditionelle Handwerksmühle, die Erich und Nicole Langer in vierter Generation führen. Während Erich sich um das Handwerk kümmert, steckt Nicole ihr Herzblut ins Marketing und kümmert sich um den Mühlenladen La Müh La. Ihr Motto: das Brot neu entdecken. 

La Müh La Langer Mühle Atzenbrugg

Die Mühle an sich wurde im 11. Jahrhundert das erste Mal erwähnt. Damals gehörte sie zum Stift Klosterneuburg. Heute ist sie die einzige noch produzierende Mühle in der Region. Sie ist gewiss keine große Mühle, aber genau deswegen können sich die Langers intensiv um die Qualität des Mehls kümmern, das nach alter Handwerkstradition hergestellt wird. 

Langer Mühle Atzenbrugg

Das Getreide stammt zu 70 Prozent von Landwirten aus dem umliegenden Tullnerfeld. Bei der Ankunft wird es von den Langers genauestens inspiziert. Das Korn spiegelt das Jahr und seine Bedingungen von der Saat bis zur Ernte wider. Anhand dessen wird die Qualität beurteilt und nur das beste Korn verwendet, um es mit den traditionellen Handwerksmühlen zu mahlen. Bei der Produktion wird gänzlich auf chemische Zusätze verzichtet. Immer wieder überprüft der Müller beim Mahlvorgang durch Tasten, Schmecken und Riechen die Qualität des Mehls. Nach dem Mahlvorgang wird das Mehl bei den Langers per Hand verpackt. 

Während die Müller sich um Mehlnachschub kümmern, betreibt Nicole Lobby-Arbeit. Ihr Bestreben ist es, bei den Kund:innen mit einem transparenten Produkt Vertrauen zu schaffen. Gemeinsam mit neun weiteren Mühlen aus vier österreichischen Bundesländern hat sie eine eine Interessengemeinschaft gebildet, die die Tradition des nachhaltigen Mahlens fortführen und ausbauen will.

Langer Mühle 
Schubertstraße 15
3452 Atzenbrugg

Öffnungszeiten: Montag-Freitag 7:30-12:00 Uhr und 13:30-17:00 Uhr, Samstag & Sonntag geschlossen

Mehl erleben! Ein Besuch des La Müh La lohnt sich ohnehin, aber Nicole bietet darüber hinaus auch Backkurse und andere EVENTS an. Sollte dich die nachhaltige Herstellung von Mehl näher interessieren, kannst du dich auch für einen MÜHLENSPAZIERGANG anmelden.

Die Mostviertler Feldversuche 

Nicht nur bei Endkonsumenten erfreut sich das Mehl der Langers großer Beliebtheit, auch viele Gastronomen bestellen bei Erich und Nicole – so auch Michael Nährer für sein Gasthaus. Mike führt das Gasthaus in dritter Generation. Nachdem er seine Kochkunst bei vielen ausgezeichneten Spitzenköchen verschiedener Länder erlernt hatte, kehrte er nach Rassing zurück, um Wirt und Küchenchef zu werden. Hier rückt er die traditionelle Küche mit besten Zutaten aus der Region in ein ganz neues Licht. 

Besonders bei den MOSTVIERTLER FELDVERSUCHEN lebt Mike seine Kreativität aus. Bei diesen Events schließen sich Gastronomen und Produzenten des Mostviertels zusammen, um neuen Geschmäckern auf die Spur zu gehen und diese in einem außergewöhnlichen Ambiente zu präsentieren. Herauskommen unvergessliche Themenabende, bei denen die Köche nicht selten an die Grenzen des Machbaren stoßen. 

Die Vorbereitung für die Feldversuche geht mit allerlei herumexperimentieren einher. So probierte Mike zum Beispiel verschiedene Grillvarianten von Fleisch auf Birken- oder Buchenholz aus. Bei einem kleinen Plausch erzählte er mir von den Vergessenen Gärten, in denen er gerne stöbert. Eine Sonnenblume beispielsweise ist in der Mitte ihrer Blüte aufgebaut wie eine Artischocke – warum sollte man sie also nicht so auch zubereiten? Mike möchte in Vergessenheit geratene Zutaten und Zubereitungsmethoden neu aufleben lassen und sie mit modernen Tricks kombinieren.

Gasthaus Nährer 
Hubertusstraße 2
3141 Rassing

Öffnungszeiten: Montag & Dienstag ab 18:00 Uhr, Freitag & Samstag 11:00-14:00 Uhr sowie ab 18:00 Uhr, Sonn- und Feiertag 11:00-15:00 Uhr, Mittwoch & Donnerstag geschlossen

Sollten die Mostviertler Feldversuche nicht zu deinem Terminkalender passen, empfehle ich dir definitiv, für ein Mittagessen oder Dinner bei Mike im Gasthaus Nährer vorbei zu schauen. Eine kleine digitale Kostprobe: Mein Kürbis-Trauben-Salat mit Ziegenrolle bestand aus Kürbis und Kürbiskern Püree. Dazu gab es Chips aus Schafskäse. Die ein Milimeter breiten Chips hatte Mike zuvor 24 Stunden lang im Ofen getrocknet. Als Hauptspeise hatte ich Reh auf Grünkohl mit Polenta-Creme und Rotkohl. Definitiv mein kulinarisches Highlight meiner Tour de Gaumen ins Mostviertel!

FAQ für deine Genuss-Reise ins Mostviertel 

Anreise

Wie komme ich am besten ins Mostviertel?
Am besten eignet sich das Auto für eine Reise durch das Mostviertel. Grundsätzlich hält auch die Bahn in den größeren Städten und Orten. Für die Ausflüge ins Umland empfiehlt sich jedoch ein Auto. 

Solltest du von weiter weg anreisen, eignet sich Wien als Ausgangspunkt am besten. Der Wiener Flughafen wird von sämtlichen internationalen Fluggesellschaften angeflogen. Am Flughafen kannst du deinen Mietwagen abholen. Ich buche meinen Mietwagen (und das ist keine Werbung, sondern Überzeugung) immer über BILLIGER-MIETWAGEN.DE. Hier finde ich immer die besten und günstigsten Angebote und der Service war ebenso bisher immer einwandfrei.

Das Mostviertel liegt im südwestlichen Niederösterreich nur knapp eine Autostunde von Wien entfernt.

Evelyn Mini Cabrio Österreich

Reisezeit

Wann ist die beste Zeit, um ins Mostviertel zu reisen? 
Das Gute ist, dass die beste Zeit für eine Reise ins Mostviertel in der Nebensaison liegt. Die Region ist ohnehin nicht überlaufen, aber meist sind Flug- und Hotelpreise zu der Zeit günstiger. Im späten Frühling lockt das Mostviertel mit der Obstbaum-Blüte und im Herbst lässt der Wein die Hänge in einem roten Feuermeer leuchten.

Unterkünfte

Wo hast du im Mostviertel übernachtet? 

LANDHOTEL MOOSHAMMER
Kirchenplatz 3
3340 Waidhofen an der Ybbs

Preis: DZ ab 141,00 EUR

Die Zimmer des Hotels sind sehr neu und sauber. Die Gänge und die Gaststube versprühen traditionellen Charme. Ich mochte, dass sich die einsamen Seelen des Dorfes an der Theke trafen und miteinander Schwiegen. Mein absolutes Highlight war die Lage an einer Brücke über die Ybbs, von wo aus wir einen einmaligen Blick über den Fluss und die Stadt hatten. 

Weitere Hotels in Waidhofen findest du: HIER

Waidhofen an der Ybbs

NATURHOTEL STEINSCHALERHOF
Warth 20
3203 Rabenstein an der Pielach

Preis: DZ ab 126,00 EUR

Das Hotel ist aus Bauernhöfen entstanden und umgeben von einer traumhaft schönen Ruheoase. Im großen Garten duften die Kräuter und bei den Teichen triffst du mit Glück auf einen Biber. Die Anlage eignet sich am besten für größere (Seminar-) Gruppen, da ein Highlight der neue Raum mit Blick auf den See ist. Die Zimmer und Bäder sind ziemlich in die Jahre gekommen, so dass ich es als Hotel für eine Privatreise nicht empfehlen würde.

Naturhotel Steinschalerhof

HAUS & HOF ÖLLERER
Getreidegasse 2
3454 Sitzenberg-Reidling

Preis: DZ ab 90,00 EUR

Das Haus Öllerer ist ein sehr neues Hotel mit modernen Zimmern und tollen Bädern. Die leckeren Produkte vom Frühstücksbuffet und vieles mehr gibt es im zugehörigen Hofladen. Der hatte leider während unseres Aufenthalts nicht geöffnet.

Weitere Unterkünfte im Mostviertel findest du: HIER

Die AMA GENUSS REGIONEN

Was genau ist das AMA GENUSS REGION Gütesiegel?
Sämtliche Betriebe, denen das staatlich anerkannte AMA GENUSS REGION Zertifikat verliehen wurde, stellen qualitativ hochwertige regionale Produkte her oder verwenden sie in ihrer Küche. In Österreich gibt es mittlerweile nahezu 2.500 Betriebe, die mit dem Siegel ausgezeichnet wurden. Neben der hohen Produktqualität spielt auch Klimaschutz durch kurze Transportwege sowie die frische Zubereitung eine Rolle. Zudem handelt es sich ausschließlich um familiengeführte Betriebe, die in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden.

AMA GENUSS REGION

Weitere Lektüre über das Mostviertel und AMA GENUSS REGIONEN

  • Was du alles im Mostviertel erleben kannst lliest du auf der offiziellen WEBSEITE der Region. 
  • Worum genau es bei den AMA GENUSS REGIONEN geht und wo in Österreich du Partnerbetriebe finden kannst, findest du: HIER. Für mehr Tipps und Inspirationen rund um Ausflugstipps, regionalen Genuss und geprüfte regionale Qualität in Österreich kannst du auch @regional_geniessen auf Instagram folgen.
  • Noch mehr Genuss gefällig? Nina von REISEHAPPEN erzählt dir, was sie alles auf ihrer Reise durch die Genussregion Vorarlberg erlebt hat.
  • Und Melanie von GOOD MORNING WORLD nimmt dich mit auf Schlemmerreise ins Salzburger Land.

Die Teilnahme und meine Berichterstattung darüber erfolgt in Zusammenarbeit mit der Österreich Werbung. Die beschriebenen Eindrücke sind meine eigenen und der Harz hat sich von ganz alleine in mein Herz gebrannt. 

Und noch eine kleine Info: dieser Artikel enthält Affiliate-Links. Wenn du hierüber buchst, erhalte ich eine kleine Provision, die dem Erhalt dieses Blogs dient. Für dich entstehen keine Mehrkosten.